Fangen und Zurücksetzen

(Catch & Release)

Oft werde ich gefragt was ich von Catch & Release halte. Da sich diese Frage nicht in einem Satz beantworten läßt, möchte ich sie in diesem kleinen Bericht beantworten.


Schonendes zurücksetzen einer Äsche

Grundsätzlich wäre ich dafür daß jeder verantwortungsbewußte Angler selbst über Mitnahme oder Zurücksetzen entscheidet, allerdings nicht ohne ein gewisses "aber". Wenn ich sehe was manche Angler unter zurücksetzen verstehen oder wenn ich von Anglern den Satz höre "den hab ich wieder reingeworfen" dann überläuft mir eine Gänsehaut und ich bin froh dass dies im Tierschutzgesetz entsprechend geregelt ist.

Es gibt viele vernünftige Gründe einen Fisch zurückzusetzen und ebenso gute Gründe ihn mitzunehmen.

Wenig Verständnis habe ich für Jemand der alles zurücksetzt und meiner Meinung nach das Lebewesen Fisch als reines Sportgerät sieht welches nur zu seinem Vergnügen genutzt wird. Jemand der nur mit dem Vorsatz zum Fischen geht, ein möglichst großes Lebewesen am Haken durchs Wasser zu ziehen. Jemand der in seiner "Selbstherrlichkeit" nicht einmal Betäuber und Messer mit sich führt und evtl. sogar verletzte Tiere zurücksetzt.

Dem Argument extremer CuR-ler: "dass wir uns heute nicht mehr von Fisch ernähren müssen" halte ich erstens entgegen dass dies nicht stimmt. Es gibt immer noch arme Menschen, auch hier bei uns, welche froh sind einmal einen Fisch geschenkt zu bekommen und sich diesen nicht zwei mal pro Woche leisten können wie es oft empfohlen wird. Zweitens ist Fisch nach wie vor eines der wertvollsten und gesündesten Nahrungsmittel die wir haben.

Auch das Argument "Fische sind meine Freunde und die töte ich nicht" kann ich nur bei Vegetariern akzeptieren. Diese handeln wenigstens nach ihrer Lebenseinstellung. Auch andere Tiere sind meine Freunde (Rehe, Ferkel, Kälber, Hasen usw.).

Es gäbe ja auch noch die Möglichkeit sein Geschick und Können beim Castingsport zu beweisen oder wie wäre es mit angeln für einen guten Zweck z.B. für Menschen die sich nicht ein/zwei mal in der Woche Fisch leisten können wie es Ernährungsexperten empfehlen.

Ebenso wenig Verständnis habe ich aber auch dafür dass alles abgeschlagen wird was aus dem Wasser entnommen wird. Mit Fingerspitzengefühl, sinvolle und selektive Entnahme sollte jeder Angler in seine persönliche Lebensphilosphie aufnehmen.

Eine Devise an die ich mich gerne (wenn es auch nicht immer gelingt) versuche zu halten stammt von einem Indianervolk:

"Entnimm der Natur nur das was Du brauchst aber
versuche alles zu verwerten was Du der Natur entnommen hast."


Richtiges Zurücksetzen

Ich möchte aber nicht nur Kritik am Zurücksetzen üben ohne auf Punkte einzugehen welche dem Fisch eine höhere Überlebenschance bieten.

Für ein Zurücksetzen sprechen viele Gründe:

  • Hege
  • Schonzeiten
  • Erhalt der Fischbestände
  • Schutz geringer Populationen
  • Erhalt von Laichproduzenten (große Fische) u.s.w.

Wie aber richtig zurücksetzen? Was kann man im Vorfeld schon tun? Welchen Einfluß hat der Drill auf die Überlebenschance des Fisches usw.? Einige Regeln (Bitten) für ein schonendes Zurücksetzen:

  1. Überprüfe Dein Gerät! Passt es zu dem erwartenden Fisch? Flugschnur, Vorfach, Haken noch alles in Ordnung? Zugprobe?
  2. Fische grundsätzlich ohne Widerhaken!
  3. Ist ein schonendes Zurücksetzen am Angelplatz möglich?
  4. Schnelle Entscheidung über Zurücksetzen oder Mitnahme, am besten noch im Wasser. Evtl. den Fisch schon durch locker lassen der Schnur frei lassen.
  5. Fisch ausdrillen! Bei einem schlecht ausgedrillten Fisch ist das Lösen des Hakens im Wasser kaum möglich ausserdem muss bei einer Handlandung der Fisch zu fest gedrückt werden. Auch die Landung mit Kescher ist schwierig wenn der Fisch nicht gut ausgedrillt ist. Er verbeisst sich unter dem Kescher oder springt wieder heraus oder verletzt sich am Kescherrand und kommt dann doch noch aus, aber verletzt.
  6. Fisch nicht überdrillen! Auch ein überdrillter Fisch hat kaum Überlebenschancen. Dies gilt vor allem im Hochsommer bei wärmeren und sauerstoffarmen Wasser. Besonders Bachforellen, Zander und auch größere (ältere) Fische sind da sehr empfindlich. Aber auch andere Fische.
  7. Den Fisch möglichst noch im Wasser am Haken aushängen. Am besten nur den Haken anfassen und durch leichtes drehen herausnehmen.
  8. Wenn Handlandung dann den Fisch nur mit nassen Händen anfassen! Handlandung der Kescherlandung vorziehen.
  9. Niemals einen verletzten (auch keinen verletzten Untermaßigen!) Fisch zurücksetzen. Überlebensfähigkeit durch Augendrehreflex prüfen!
  10. Landung im seichten Wasser und nicht den Fisch über Uferböschungen oder Steine ziehen!
  11. Den Fisch möglichst nicht berühren, vor allem nicht die Kiemen!
  12. Wenn Fotos gemacht werden sollen, dann von einem Begleiter und dann den Fisch nicht länger als 15 Sekunden aus dem Wasser nehmen! Die Fotos im Wasser sind ohnehin die Schönsten!
  13. Wenn möglich verwendet man Abhakmatten um den Fisch nicht auf Steine, Wurzeln oder ähnlichem zu lagern. Abhakmatte nass machen!
  14. Wurde der Haken tief geschluckt die Schnur knapp am Maul abschneiden. Der Haken wird vom Fisch in kurzer Zeit (einige Stunden) ausgespukt oder er zersetzt sich mit der Zeit.
  15. Zur Wiederbelebung wird der Fisch vorsichtig gegen die Strömung gehalten bis er aus eigener Kraft wegschwimmt. Den Fisch dabei möglichst am Rücken und am Schwanz nehmen. Der Bauch ist wesentlich empfindlicher.

Wenn Du diese Punkte berücksichtigst dann gibst Du einem wunderbaren und faszinierendem Lebewesen eine gute Überlebenschance!

Soviel zu meiner Einstellung zum Thema Catch & Release (bzw. Fangen und Zurücksetzen).

Noch eine letzte Bitte! Gebt den extremen Anglern keine Chance ihre Feindbilder zu schüren und die gesamte Anglerschaft in zwei Läger zu spalten. Wir schaden uns nur selbst. Alles abzuschlagen ist genauso unsinnig wie alles zurückzusetzen. Ein früherer Kollege verwendete gerne den Spruch welcher hier auch sehr gut passt:

"Zuwenig und zuviel, ist aller Narren Ziel!"

Weiterführende Informationen zu diesem Thema findest Du im Bericht:

Sorgsamer und respektvoller Umgang mit der Natur