Fliegenpräsentation und -Führung

Oft werde ich gefragt: "Wie präsentiert man eine Fliege, wie führt man eine Fliege?" Dann kommt meist die klassische Antwort: "Das kommt darauf an . . .". Ja, auf was? Und dann könnte ich einen Tag lang darauf los plaudern aber erst mal müsste ich viele Gegenfragen stellen:

Ich möchte hier einmal versuchen etwas Ordnung in diese Fragen zu bringen und vor allem dem Fliegenfischer-Neuling eine erste Orientierung bieten aber immer unter dem Aspekt dass die Präsentation und die Führung wesentlich wichtiger sind als die Fliege oder die Weite. Darauf sollte man auch hintrainieren z.B. indem man darauf achtet dass die Fliege vor der Flugschnur auf dem Wasser auftrifft sofern keine Spezialwürfe (Fallschirmwurf . . .) gemacht werden oder Zielwürfe trainiert oder bei der Fliegenführung einmal bewußt auf den Zeigefinger der Rutenhand und den Daumen der Schnurhand achtet. Beide kann man z.B. zur Bisserkennung sensibilisieren.

Noch ein paar Worte zur Fliegenwahl: Steh ich das erste Mal vor einem fremden Gewässer ist die erste Frage "Welche Fliege nehme ich überhaupt?". Dabei hat die eigene Beobachtung die höchste Priorität! Welche Fliegen sind im Moment aktuell (Jahres-, Tageszeit, Büsche und Bäume geben darüber Auskunft oder auch mal ein Blick in ein Spinnennetz, oder auf die Wasseroberfläche . . .). Wo stehen die Fische am Grund? Im Mittelwasser? An der Wasseroberfläche? Was ist mein Zielfisch?

Ist man immer noch unschlüssig kann man noch ein paar Grundregeln beherzigen:

Ich möchte nochmals betonen dass diese Regeln nur eine grobe Orientierung darstellen können und die Natur immer wieder für Ausnahmen sorgt.

1.

Stehendes Gewässer:

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Fliegenfischen noch eine reine Sache im Fließgewässer. Auch waren damals noch Saiblinge und Forellen der Hauptzielfisch. Heute gibt es in unserer Region außer dem Aal kaum einen Fisch der nicht mit der Fliege gefangen wird.

Auch vom Boot aus lässt es sich schön mit der Fliege fischen. Zudem hat man hier den Vorteil dass man rundum Platz zum werfen hat.

Selbstverständlich ist es auch möglich in einem See, Teich oder Weiher zu lesen. Uferbereich, Schilf, Seerosen, aufsteigende Blasen, Wind, Ringe, Wurzelbereich von Bäumen, zu erwartende Flugnahrung, vorkommen vieler kleiner Fische, Kanten usw. All dies gibt Auskunft über evtl. vorhandene Fische. Man muss keine Wissenschaft daraus machen, meist genügt eine gesunde Beobachtungsgabe. Wenn man sich dann auch noch fragt: "was braucht der Fisch?" und sich in ihn hineinversetzt, kommt man auf drei Antworten: Deckung, Nahrung und Sauerstoff (mehr oder weniger je nach Fischart)" und wenn ich mir jetzt noch überlege wo ich all das finde steht einem erfolgreichen Angeltag fast nichts mehr im Weg.

Während sich die Fische in einem Fluss die Nahrung von ihrem festen Standplatz durch die Strömung zutreiben lassen, müssen sie sich die Nahrung in einem stehenden Gewässer suchen. Das heißt, dass sie hier ständig (in einem Revier) unterwegs sind. Auch gilt es zu bedenken dass sich die Fische in einem stehenden Gewässer den Köder genauer anschauen können als in einem fließenden Gewässer.

Systematische Vorgehensweise ist auch an stehenden Gewässern angesagt. Oft sehe ich Fliegenfischer ans Wasser kommen und sofort den am weitesten zu erreichenden Punkt mit der Fliegenrute anvisieren. Die Fische im Uferbereich werden dabei hundert Mal überworfen. Richtig oder besser wäre es erstmal selbst etwas Deckung zu suchen und dann langsam vom Ufer aus sytematisch das linke Ufer, das rechte Ufer und dann fächerförmig das vor mir liegende Gebiet abzufischen.

Nicht immer müssen Fische fliehen wenn sich Menschen im Uferbereich aufhalten. Oft bleiben sie an der Stelle stehen und stellen nur die Nahrungsaufnahme ein und man wundert sich warum die nicht beißen. Also immer wenn möglich aus der Deckung heraus arbeiten. Manchmal reicht es auch nur in die Hocke zu gehen.

Hat man Gegenwind - nicht gleich die Rute einpacken! Ruhig versuchen auch gegen den Wind zu werfen. Der Vorteil liegt darin dass das Oberflächenfutter auf den Fliegenfischer zutreibt.

Kommt der Wind von der Landseite (vom Rücken) kann der Wind Insekten von den Bäumen ins Wasser wehen. Gerade auf Seen und Teichen mit großem Fischvorkommen hab ich oft beobachtet dass die "Beißfreudigkeit" bei aufkommendem Wind rapide zunimmt.

1.1.

Stehendes Gewässer - Trockenfliege:

Wann fisch ich mit der Trockenfliege?

In der Regel wenn ich beobachte dass die Fische ihre Nahrung von der Wasseroberfläche oder aus der Luft holen. Das können, einfach ausgedrückt, Insekten sein die gerade geschlüpft sind und ihre Flügel trocknen oder Insektenweibchen bei der Eiablage oder danach (nach der Eiablage stirbt das Weibchen), auch Käfer oder Raupen die vom Baum fallen usw.

Später, mit der Erfahrung wird man Situationen in der Natur erkennen, bei denen ein Fischen mit der "Trockenen" auch zum Erfolg führt wenn die Fische einmal nicht steigen.

Wie präsentiere ich eine Trockenfliege im stehenden Gewässer?

Nun, die einfachste und auch effektivste Methode ist sie dort hinzuwerfen wo man Fische sieht oder vermutet. Gerade bei klarem Wasser und scheuen Fischen ist es wichtig dass die Fliege vor der Schnur aufs Wasser trifft und nicht zuerst die Schnur hineinklatscht. Das erreich ich meist schon durch ein leichtes Anheben der Rute beim Ablegen. Nach dem Ablegen wird die Rute bis fast zur Wasseroberfläche gesenkt und nur ab und zu mit der Rute ein kleiner Ruck aus dem Handgelenk erzeugt. Dabei entstehen kleine Ringe um die Fliege. Ich "hauche" sozusagen der künstlichen Fliege etwas Leben ein.

Tut sich nach einer gewissen Zeit nichts, hebt man die Schnur wieder ab und wirft eine andere Stelle an. Am besten man beherrscht dazu Würfe wie den Spiralheber bei dem ich ohne Geräusch und ohne Schlieren im Wasser zu hinterlassen die Schnur wieder sanft abheben kann. Wiederhole ich das in raschen Abständen kann ich gelegentlich die Fische sogar zum Steigen animieren. Aber nicht wenn die Fische schon an der Oberfläche sind! Dann ist es besser die Fliege liegen zu lassen so dass der Fisch die Fliege findet.

Aber auch beim Einstripen einer Trockenfliege hatte ich schon Nachläufer welche dann im letzten Moment zugebissen haben was mir bestätigt dass die Fische unsere Lehrbücher nicht kennen und die Natur uns manchmal auch etwas "austrickst".

1.2.

Stehendes Gewässer - Nassfliege:

Wann verwende ich eine Nassfliege?

Sind die Fische nicht an der Wasseroberfläche und sehe ich nur gelegentlich schwarze Schatten vorbeiziehen, ist eine Nassfliege ratsam. Die Nassfliege hat viele Eigenschaften. So kann sie Aufsteiger imitieren oder Köcherfliegen oder sogar kleine Fischchen. Gerade im Frühjahr ist sie oft sehr fängig. Einige der berühmtesten Nassfliegen sind die Märzbraune oder die Alexandra und das zurecht.

Präsentation der Nassfliege im stehenden Gewässer:

Nassfliegen werden mit schwereren Materialien (Haken) gebunden und im oberen Teil des Gewässers aber unter dem Wasserfilm gefischt. Meist schwimmen sie noch beim ersten Auswerfen. Ich gebe dann beim Ablegen einen leichten Schlag aus dem Handgelenk auf die Rute so dass sie sich mit Wasser vollsaugt und dann leicht untergeht. Danach warte ich ein paar Sekunden (je nach Wassertiefe).

Führung der Nassfliege im stehenden Gewässer:

Wie schon oben erwähnt imitiert die Nassfliege verschieden Insekten und/oder Insektenstadien sowie kleine Fischchen. Dementsprechend ist auch die Führung. Möchte ich Aufsteiger nachahmen lass ich die Nassfliege lange absinken und zupf sie dann in kurzen Zügen wieder herauf. Sehe ich dass die Fische kleine Fischchen jagen strippe ich die Schnur in etwas längeren Zügen ein und mache nach jedem Zug eine kurze Pause. Dies soll ein leicht zu erbeutendes, krankes Fischchen imitieren. Am besten probiert man am Anfang mit der Nassfliege verschiedene Einholtechniken und Geschwindigkeiten aus. Aber immer einige Sekunden warten und absinken lassen!

1.3.

Stehendes Gewässer - Nymphe:

Wann ist eine Nymphe angesagt?

Nymphen sind Fliegen im Larvenstadium und halten sich meist am Grund, unter Steinen oder im Uferbereich auf. Aber auch als Aufsteiger werden sie genommen. Gefischt werden sie auf Grund oder in Grundnähe immer dann wenn man auch die Fische dort vermutet. Das könnte sein am Beginn des Insektenschlupfs, wenn die Larven aufsteigen aber auch wenn die oberen Schichten des Wassers zu warm oder Sauerstoffarm sind. Häufig auch bei Eintreten von Wind oder anderen Gründen wenn der Gewässerboden aufgewühlt wird.

Präsentation von Nymphen im stehenden Gewässer:

Am erfolgreichsten bin ich immer wenn ich die Nymphe bis zum Grund oder knapp darüber absinken lasse und sie dann mit zitternden Bewegungen der Rutenspitze herauf hole. Sehr gerne gehen Saiblinge auf diese Art des Einholens. Bei klarem Wasser kann man sehr gut beobachten wie Saiblinge die Nymphe (fast immer) beim heraufholen nehmen. Zieht man die Nymphe in langen Zügen am Saibling vorbei zeigt er meist nicht das geringste Interesse dafür aber Bach- und Regenbogenforellen.

Eine andere Methode (vor allem bei seichten Gewässern) ist, die Nymphe absinken zu lassen und sie in Grundnähe am Boden entlang zu zupfen (hüpfende Bewegung der Nymphe) also weniger Züge zu machen (bei längeren Zügen steigt die Nymphe).

1.4.

Stehendes Gewässer - Streamer:

Wann verwendet man Streamer?

Streamer sind Fischimitationen und so werden sie auch präsentiert. Man unterscheidet Streamer für Forellen und kleinere Fische sowie Streamer für Hecht, Huchen oder andere große Fische. Oft sind sie die letzte Rettung eines Angeltages.

Da die Hecht- und Huchenfischerei ein eigenes Thema sind soll hier nur auf Forellenstreamer eingegangen werden. Nur soviel sei gesagt dass beim Fliegenfischen auf Hecht genauso ohne Widerhaken und mit Stahlvorfach gefischt wird wie bei anderen Angelarten!

Präsentation von Streamern in stehenden Gewässern:

Beobachtet man dass Forellen kleine Fischchen jagen sind Streamer der ideale Köder. Man wirft ihn aus und holt ihn in ca. 10 - 15 cm langen Zügen ein mit je einer kurzen Pause (ca. 3 Sek.) dazwischen. Dies imitiert ein krankes und leicht zu erbeutendes Fischchen.

Kleine Streamer zieht man in der Regel langsamer durchs Wasser wie große Streamer. Auch im Winter wird der Streamer langsamer durchs Wasser gezogen als im Frühjahr da die Fische in dieser Jahreszeit träger sind.

Achtung:

Streamer, vor allem Hechtstreamer mit Stahlvorfach und evtl. auch noch Sinkschnüre sind nicht einfach zu werfen. Dem Anfänger rate ich auf Sinkschnüre, Schussköpfe und dergleichen zu verzichten zudem sie in unseren Regionen nur in sehr seltenen Fällen notwendig sind. Außerdem empfiehlt es sich möglichst mit "Nasswürfen" (ohne Leerwürfe) oder wenig Leerwürfen zu arbeiten.

2.

Fließgewässer:

Auch in Fließgewässern steht die eigene Beobachtung an erster Stelle wenn es ein erfolgreicher Angeltag werden soll.

Schnelle, klare, sauerstoffreiche Bäche und Flüsse, vor allem in unseren alpinen Regionen, sind meist auch nahrungsärmer. Die Fische müssen sich also meist schneller entscheiden ob sie nun die Fliege nehmen oder nicht. Dadurch werden sie insgesamt schneller, beißfreudiger aber auch vorsichtiger. Schnellfließende Gewässer sind daher auch leichter zu befischen als langsam fließende Gewässer.

Langsam, träge, ruhig dahin fließende Gewässer haben wieder andere Eigenschaften. Staustufen, Strecken mit geringem Gefälle machen das Fliegenfischen schon etwas schwerer. Deckung ist hier oberstes Gebot. Die Fische spüren jede Bewegung im Wasser oder am Ufer und sind dadurch vorgewarnt.

Wo stehen nun die Fische im Fließgewässer? Wieder findet man die Antwort in den drei Fragen: Nahrung, Deckung, Sauerstoff. Dazu kommen noch Ruhezonen die der Fisch hinter Steinen oder in Kehrwassern findet. Nahrung finden sie in Uferbereichen (Flugnahrung, Larven und Käfer die sich im Uferbereich befinden usw.) oder dort wo die Strömung ständig für Nahrungsnachschub sorgt (z.B. in einer Fluss-, Bach-Biegung). Gute Standplätze welche ich nie auslasse (systematisches Fischen) sind auch Bacheinläufe, Gumpen, tiefe Rinnen, Wasserfälle, ausgespülte Ufer (Deckung), überhängende Büsche oder Bäume, Brückenpfeiler, Stege und sogar (oft unterschätzte) Rieselstrecken.

Die Strömungsgeschwindigkeit richtig einzuschätzen gehört ebenso zu den wichtigen Eigenschaften beim Fliegenfischen. Man stellt sich nur vor eine Fliege die vielleicht nicht mal ein Gramm hat schwimmt ohne die körperlichen Voraussetzungen die ein Fisch hat schneller gegen die Strömung oder ist wesentlich langsamer als die Strömung. Das merkt ein Fisch der sich tagtäglich mit dieser Problematik beschäftigt!

2.1.

Fließgewässer - Trockenfliege:

Das Fischen mit der Trockenfliege in einem Fließgewässer ist die "Königsdisziplin" beim Fliegenfischen.

Kurz ein paar Worte zur Fliege generell. Gerade am Anfang einer Fliegenfischkarriere werden viele Trockenfliegen-Muster verwendet. Es braucht sehr viel Erfahrung mit möglichst wenig Fliegen auszukommen. Werden Fliegen ziellos (oder nach Optik) eingekauft bekommt man mit der Zeit ein zu großes Sortiment an Fliegen was am Ende nur zu Verwirrung führt und damit höchstens Zufallsfänge erreicht werden.

Wesentlich wichtiger aber als die Fliege ist ihre Präsentation! Charles C, Ritz hat einmal gesagt: "85% des Erfolges liegen in der Hand des Werfers und nur 15% in der Wahl der richtigen Fliege". Der Satz ist auch heute noch gültig! Viel zu oft gibt man der Fliege die Schuld obwohl man vielleicht nur mit einer kleinen Korrektur der Präsentation oder der Führung der Fliege sein Ziel, den Fisch zu fangen erreicht hätte. Ich möchte mal hier nochmals an die verschiedenen Imitationen (von Fliegen) erinnern: Eintagsfliege, Köcherfliege, Steinfliege und Landinsekten. Damit hab ich schon mal die wichtigsten Trockenfliegen und ihre Nachbildungen. Wenn ich mir dann noch angewöhne von jeder Sorte zwei Fliegen zu binden oder zu kaufen dann hab ich höchstens 10 Trockenfliegen in meiner Box (bzw. 5 verschiedene Muster), vielleicht noch die eine oder andere Jahreszeit bedingte Fliege (z.B. Maifliege) und das reicht in der Regel.

Aber nicht nur die Art der Präsentation und der Führung spielen eine Rolle sondern auch das Vorfach. Ein verjüngtes (konisches) Vorfach (nur bei Trockenfliegen) wird wesentlich ruhiger vor dem Fisch abgelegt. Die Energie der Flugschnur überträgt sich optimal auf das Vorfach, deren Spitze und auf die Fliege wodurch ein gutes Abrollen und Strecken des Vorfaches gewährleistet ist. Die Vorfachlänge sollte in etwa der Rutenlänge (2,50m - 3,00m) entsprechen. In schnell fließenden Gewässern eher etwas kürzer in langsam fließenden Gewässern eher länger. Auch die Relation Vorfachstärke/Fliege wird oft von Fliegenfischneulingen vernachlässigt. Hier ein paar Beispiele:

  • Vorfachstärke 0,14 : Hakengröße 16 - 22,
  • Vorfachstärke 0,16 : Hakengröße 14 - 18,
  • Vorfachstärke 0,18 : Hakengröße 12 - 16.

Näheres zu Vorfachstärke/Hakengröße s. Fliegenfischlexikon

Letztendlich hat auch der verwendete Knoten zwischen Vorfach und Fliege Einfluss auf die Präsentation der Trockenfliege. Bei Nymphen und Streamern kann ein Clinch-/Klammerknoten oder ein Grinner-/Uniknoten schon Vorteile bringen dadurch dass der Knoten hinter dem Öhr liegt und dem Köder mehr Spiel verleit weil er ein Gelenk zwischen Vorfach und Fliege bildet. Bei Trockenfliegen hat sich der Turleknoten bewährt da er im Winkel zwischen Hakenschenkel und Öhr liegt. Zum Einen überschlägt sich die Fliege beim Ablegen nicht und liegt besser auf dem Wasser da sie nicht so leicht kippt und zum anderen verleiht er der Fliege eine bessere Führung.

Nun aber zu den verschiedenen Wurfrichtungen:

2.1.1.

Fließgewässer - Trockenfliege - Stromaufwärts:

Wogegen direktes stromauf Fischen eher seltener (meist aus Platzgründen oder bestimmten Strömungs-Verhältnissen) praktiziert wird ist die häufigste Methode das schräg stromauf Fischen. Die Vorteile bei dieser Art sind leicht erklärt. Da die Fische stromauf stehen ist man selbst hinter dem Fisch und wird somit nicht so leicht gesehen. Das Vorfach treibt seitlich vom Fisch und die Fliege treibt in der natürlichen Strömungsgeschwindigkeit. Das Abheben der Flugschnur geschieht ebenfalls außerhalb der Sichtweite des Fisches. Der Anhieb sitzt besser als beim stromab Fischen. Wird die Strömung zu schnell, ist ein Stromauffischen meist nicht mehr ratsam. In diesem Fall sollte man die Position wechseln und quer zur Strömung oder gleich stromab fischen.

Wie ist nun der Ablauf beim Stromauffischen?

Man wirft die Fliege stromauf, lässt sie ganz natürlich abwärts, auf den Fliegenfischer, zutreiben und holt dabei die Schnur entweder in Schlaufen ein oder lässt sie einfach ins Wasser fallen. Ist die Fliege auf der Höhe des Fliegenfischers (gegenüber) angekommen, wird die eingeholte Schnur in kleinen Bögen (stromauf!) wieder ausgegeben und zwar so, dass die Fliege ohne abgebremst zu werden natürlich weiter treibt. Das klingt vielleicht jetzt etwas kompliziert aber da sich diese Prozedur immer wieder wiederholt lernt man sie relativ schnell und die Natur hilft dabei.

2.1.2.

Fließgewässer - Trockenfliege - Quer zur Strömung:

Hat man genug Distanz zum Fisch, bietet sich das Werfen quer zur Strömung an. Auch das ist eine sichere Art der Präsentation. Beim Werfen quer zur Strömung sollten, abgesehen von Distanzwürfen, auch der Bogenwurf beherrscht werden. Er verhindert das Furchen der Fliege wenn die Strömung in die (gerade abgelegte) Schnur fährt.

Würfe, quer zur Strömung werden meist für Rinnen oder ruhigere Zonen am gegenüberligenden Ufer benötigt

Der Ablauf ist ähnlich dem Stromauffischen.

2.1.3.

Fließgewässer - Trockenfliege - Stromabwärts:

Wenn ich einige Stunden stromaufgefischt habe und dann am Nachmittag umkehre empfinde ich es immer als sehr angenehm und bequem stromab zu fischen und die Fliege auch mal 20 - 30 Meter vor mir hertreiben zu lassen. Dazu verwende ich dann gerne eine Rehhaarsedge. Nachteil ist natürlich dass man (ohne Deckungsmöglichkeiten) vom Fisch sehr schnell gesehen wird. Bei sehr starker Strömung ist oft nur ein Stromabfischen möglich.

Manchmal erreicht man die Stelle unterhalb des Fisches nicht wegen Sträucher, Tiefe oder einfach weil man andere Fische die auch noch in der Nähe stehen nicht vergrämen will. Dann ist nur noch das Fischen stromab möglich. Würde ich nun meine Schnur kerzengerade stromab ablegen, würde die Fliege sofort von der Strömung erfasst und zu furchen beginnen. Abhilfe schafft hier der Schlangenwurf. Dabei werden einfach beim Ablegen mit der Rute einige Links-Rechts-Bewegungen durchgeführt und so die Schnur in Schlangenlinien auf das Wasser gelegt. Nun kann sich in der Zeit in der sich das Vorfach streckt die Fliege in der Strömungs-Geschwindigkeit auf den Fisch zu bewegen.

2.2.

Fließgewässer - Nassfliege:

Oft wird das Fischen mit der Nassfliege vernachlässigt obwohl es eine äusserst reizvolle und auch erfolgreiche "Fliegenfischerei" ist.

Zu meinen beliebtesten und erfolgreichsten Nassfliegen zählt die Märzbraune und das nicht nur im Frühjahr wie ihr Name sagt. Ich variiere dabei oft nur mit der Hakengröße. Im Frühjahr Hakengröße 10-12, im Sommer Hakengröße 12-14 und sogar im Winter mit Hakengröße 14-16. Nassfliegen können von Fliegenlarven, Auskriechern, Aufsteigern, Köcherfliegen bis zum kleinen Futterfisch sehr viele Arten imitieren. Gerade nach stärkeren Regenfällen oder etwas trüberem Wasser eignet sich die Nassfliege hervorragend.

Angeboten wird sie unter der Wasseroberfläche bis in Grundnähe sowohl stromauf als auch stromab oder quer zur Strömung.

2.2.1.

Fließgewässer - Nassfliege - Stromaufwärts:

Wie die Trockenfliege so kann auch die Nassfliege stromauf serviert werden. Dies ist oft sinnvoll bei sehr langsamer Fließgeschwindigkeit. Die Fliege wird dabei genauso stromauf präsentiert. Nach dem Ablegen lässt man sie treiben und zupft entweder mit der Schnur oder der Rutenspitze um ihr etwas Leben einzuhauchen.

Bei schneller Strömung ist es oft notwendig stromauf zu werfen um die Fliege möglichst schnell auf Tiefe zu bringen. Dabei werden auch oft Fallschirmwürfe (Parachutwürfe) verwendet. Die Fliege kommt dabei von oben und taucht somit schneller zum Grund ab als bei Normalwürfen bei denen man z.B. die tiefe Stelle überwirft und die Fliege in die Gumpe treiben läßt.

2.2.2.

Fließgewässer - Nassfliege - Quer zur Strömung:

Hier gilt das Selbe wie beim Fischen mit der Nassfliege stromaufwärts bei langsamer Strömung.

2.2.3.

Fließgewässer - Nassfliege - Stromabwärts:

Meist ist damit ein schräges Stromabfischen gemeint. Man wirft dabei schräg stromab in Richtung anderes Ufer und lässt die Schnur bzw. die Fliege in einem Bogen wieder zum eigenen Ufer treiben. Dadurch dass die Strömung in die Schnur fährt wird die Fliege beschleunigt. Mendet man nun stromauf wird die Fliege langsamer, mendet man (ausnahmsweise!) stromab wird sie schneller. Ist die Fliege wieder auf der eigenen Seite, macht man einen Schritt stromab, hebt die Flugschnur ab und präsentiert die Fliege neu.

Eine andere Methode ist der Leisenring-Lift. Dabei steht man ca. 5-10 Meter oberhalb des Fisches und lässt die Fliege auf den Fisch zu treiben. Die Fliege sinkt dabei ab. Ist die Fliege kurz vor dem Fisch (im Sichtfeld) wird die Schnur gestoppt und/oder leicht zurück geholt, die Fliege steigt dadurch auf und wird vom Fisch genommen. Die Rute sollte nicht zu tief gehalten werden damit der Fisch nach dem Biss ungehindert abtauchen kann. Auch ein Anhieb ist nicht notwendig sondern eher ein verzögertes Dagegenhalten und ruhiges anheben der Rute.

2.3.

Fließgewässer - Nymphe:

Teilt man das Fließgewässer in verschieden Tiefenbereiche und bringt dies in Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme so kommt man unweigerlich zu der Erkenntnis dass der Großteil (etwa 80%) der Nahrung in Grundnähe, aufgenommen wird. Nymphende Fische erkennt man daran dass sie immer wieder nach vorn oder zur Seite schießen um die anschwimmende Beute unter Wasser zu fassen.

Das Nymphenfischen gehört innerhalb des Fliegenfischens zu den schwierigsten Arten da man meist nicht auf Sicht fischt und auch der Biss schwer erkennbar ist. Dem Anfänger möchte ich an dieser Stelle raten sich möglichst bald von Bissanzeigern zu lösen und sich eine Bisserkennung entweder im Zeigefinger der Rutenhand oder im Daumen der Schnurhand anzueignen oder direkt an der Schnur (plötzliche Spannung) abzulesen. Ein weiteres Merkmal ist das Vorfach. Beim Biss wird das Vorfach plötzlich gestoppt oder in einem Ruck unter Wasser gezogen. Noch eine Bisserkennung ist das berühmte "Klopfen" an der Schnur. Nicht selten handelt es sich dabei um eine schöne kapitale Äsche. Will man gar nicht auf den Bissanzeiger verzichten so rate ich dem Nymphenfisch-Beginner höchstens zu einem gelben oder roten gut eingefetteten Wollfaden da dieser auch durch den Spitzenring schlüpft wenn ins Vorfach hineingedrillt werden muss. Vorsicht ist bei festen Plastik-, Knet- oder Wickel-Bissanzeigern geboten! Wird ins Vorfach gedrillt, bleiben diese am Spitzenring hängen. Die Folge ist dass die Rute im Spitzenteil bricht!

Nymphen gibt es in allen möglichen "Gewichtsklassen". Schwere, mit Wickelblei unterlegte und/oder schwere Köpfchen aus Blei oder Tungsten bis hin zu den leichten, mit Kupfer- oder Golddraht gebundenen (Pheasant-Tail, Ritz-D . . .). Während die schweren Nymphen dazu verwendet werden schnell auf Grund oder in tiefe Gumpen abzutauchen schweben die leichten Nymphen langsam, fast tänzelnd Richtung Grund oder auch vom Grund (ähnlich einem Aufsteiger) nach oben.

In klaren Gewässern, in denen Regenbogenforellen, Bachforellen und Bachsaiblinge vorkommen kann man beobachten dass die verschiedenen Fischarten auch im Fließgewässer auf verschiedene Einhol-/Zupftechniken reagieren. So lieben z.B. die "Regenbogner" eher lange, seitlich geführte, Nymphen und Bachforellen etwas kürzere Züge. Saiblinge holen die Nymphe meist wieder beim Heraufholen der Nymphe in zitternden Bewegungen mit der Rutenspitze.

Als Vorfach verwende ich in Fließgewässern meist ein zweigeteiltes. Direkt an der Flugschnur eine normale monofile Schnur 0,18 gefolgt von einem Pitzenbauer Ringerl, daran eine Fluorcarbon-Schnur 0,16 und daran die Fliege. Ein konisches (verjüngtes) Vorfach würde die Strömung zu langsam überwinden und somit nicht in Grundnähe kommen. Fluorcarbon-Vorfächer haben zudem auch den Vorteil dass sie schneller in den Wasserfilm einsinken wie normale monofile Vorfächer. Das Vorfach zum Nymphenfischen sollte auch stets entfettet sein wogegen der erste Teil der Flugschnur gefettet sein sollte.

Zum Anbieten der Nymphe sollten nicht mehr zu viele Leerwürfe gemacht werden. Hier sind meist Rollwürfe die bessere Alternative (z.B. Switch-Cast).

Achtung, lieber Neuling! Schwere Nymphen (z.B. bei Einsatz des Doppelzuges) können die Rute beschädigen wenn sie gegen sie knallen! Also lieber etwas weniger Leerwürfe.

2.3.1.

Fließgewässer - Nymphe - Stromaufwärts:

Wirft man einen Fisch (auf Sicht) direkt stromauf an, läuft man Gefahr dass das Vorfach oder die Flugschnur den Fisch erschrecken und ihn somit für längere Zeit vergrämen. Am besten ist auch hier schräg stromauf zu werfen. Da die Nymphe zum Fisch hinunter soll und um ihr dazu mehr Zeit zu geben überwirft man den Fisch etwas weiter als beim Trockenfliegenfischen.

Eine tschechische Methode des Nymphenfischens ist, die Schnur sehr kurz zu halten, mit gestrecktem Arm und der Rute nach oben wird die Nymphe mit der Strömung geführt. Vor allem in schnelleren Gewässern ist diese Methode sehr wirksam da fast keine Schnur auf dem Wasser aufliegt und ein verdriften der Schnur vermieden wird. Hat die Nymphe die Position des Fliegenfischers erreicht wird die Rute einfach wieder gesenkt und Schnur nachgefüttert.

2.3.2.

Fließgewässer - Nymphe - Quer zur Strömung:

Die Nymphe wird mit einem Rollwurf quer ans andere Ufer geworfen. Durch die Strömung entsteht ein Schnurbauch. Will man die Geschwindigkeit des anschließenden "herumtreibens" der Nymphe verlangsamen kann man dagegenmenden oder auch bei stärkerer Strömung einfach nur Schnur nachfüttern. Die Strömung zieht die Schnur durch die Ringe. Dadurch wird die Schnur seitlich in Richtung Angler verschoben. Gibt man keine weitere Schnur nach, steigt die Nymphe ähnlich wie beim Leisenring-Lift und häufig erfolgt in dieser Position der Biss.

2.3.3.

Fließgewässer - Nymphe - Stromabwärts:

Eine Nymphe stromabwärts zu servieren ist die leichteste Form der Präsentation. Dies kann gerade mit leichten Nymphen wie die Ritz-D oder Fasanenschwanznymphe geschehen indem man sie einfach vor sich her treiben lässt. Da diese Nymphen mehr oder weniger in Grundnähe schweben, kommt es auch kaum zu Hängern und man kann sie weit vor sich hertreiben lassen. Durch leichtes heben der Rute kann ich verhindern dass die Nymphe am Grund hängen bleibt. Einfacher geht's nicht.

Eine andere bequeme Möglichkeit bei der ich auch schon oft erfolgreich war ist die Nymphe einfach in einen Wasserschwall zu halten und die Nymphe mit den Wellen spielen lassen. Insekten widerfährt oft ein ähnliches Schicksal.

2.4.

Fließgewässer - Streamer:

Dem Fischen mit Hechtstreamern werde ich evtl. später ein eigenes Kapitel widmen so dass ich mich auch hier nur auf das leichte Fischen mit Forellenstreamern begrenzen möchte.

Schon oft hat ein Streamer (Woolly-Bugger oder Koppenstreamer) meinen Angeltag gerettet und einen Schneidertag vermieden. vor allem bei hohem Wasserstand und trübem Wasser. Streamer sind meist Fischimitationen die auch dementsprechend serviert und geführt werden. In stark verblockten Gewässerabschnitten mit vielen großen Steinen empfiehlt sich ein schwimmender Streamer. Dies kann ebenso ein Woolly-Buger oder Koppenstreamer (Muddler-Minow) sein.

Zum leichten streamern auf Salmoniden sollte es schon ein etwas stärkeres Vorfach sein 0,20-025. Auch bei Streamern sehe ich keine Notwendigkeit für einen Widerhaken.

Beim Streamerfischen ist es besonders wichtig die Rutenspitze unmittelbar an der Wasseroberfläche zu halten. Wird die Rutenspitze oben gehalten geht der Anhieb ins Leere oder man bekommt den Zug eines Fisches erst gar nicht mit.

Eingestript wird beim Streamerfischen meist in längeren und kürzeren Zügen mit einer kurzen Pause dazwischen. Dadurch wird ein krankes Fischchen imitiert das eine leichte Beute für den Fisch darstellen sollte. Aber auch ein Heranzupfen oder Anheben der Rutenspitze kann manchmal zum Erfolg führen. Ebenso kann dem Streamer durch ein kurzes anheben und senken der Rutenspitze ein zusätzlicher Reiz verleiht werden.

Auch ein flüchtendes Fischchen kann nachgestellt werden indem der Streamer in Intervallen sehr schnell geführt wird.

2.4.1.

Fließgewässer - Streamer - Stromaufwärts:

Beim stromauf werfen muss die Schnur schneller als die Strömung eingeholt werden damit der Kontakt zur Fliege nicht abreißt.

Will man eine Rinne am gegenüberliegenden Ufer befischen wird der Streamer schräg gegen die Strömung geworfen. Durch das Menden (Bogen gegen die Strömung legen) wird dem Streamer eine natürliche Geschwindigkeit stromab gegeben.

2.4.2.

Fließgewässer - Streamer - Stromabwärts oder quer zur Strömung:

Das gegenüberliegende Ufer wird quer oder im 45° Grad-Winkel stromab angeworfen und den Streamer lässt man quer stromabwärts aber wieder in Richtung Angler treiben.

Eine andere Methode ist den Streamer einfach stromab zu halten so dass der Kopf wie bei allen Fischen gegen die Strömung schaut. Mit der Rutenspitze kann ich entweder durch heben und senken der Rute das "Fischchen" (Streamer) ganz natürlich führen. Gerade bei schneller Strömung ist diese Methode sehr wirksam. Man braucht eigentlich nichts zu tun als nur die Rute stromab zu halten. Den Rest besorgt die Strömung.