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Ralf Jessel
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Mit 7 Fliegenmuster das Jahr über am Wasser

Eine etwas revolutionäre und vieleicht auch provokante Aussage in Anbetracht der zig-tausend Fliegen die es auf dem Markt und natürlich auch in der Natur gibt. Klar - Fliegen kaufen oder selber binden und dann auch auszuprobieren - macht riesen Spaß und das möchte ich mit diesem Bericht auch niemanden "verkraulen". Trotzdem sind gerade Fliegenfischneulinge und manchmal auch Fliegenfischer mit mehrjähriger Erfahrung mit der Fülle des Angebots an Fliegen überfordert.

Was aber veranlasst mich eine These aufzustellen, die besagt dass man mit 7 Fliegenarten in der Box am Wasser durchs ganze Jahr kommt. Zum einen sind es die vielen Stunden im Jahr die ich schon berufsbedingt am Wasser verbringe und in denen ich mich mit dem Thema Fliegenwahl auseinandersetze und zum anderen sind es die immerwärenden Fragen "Welche Fliege setze ich wann und wo ein?" und "Welche Fliegen benötige ich gerade am Anfang meiner Fliegenfischlaufbahn?". Seit 1999 betreibe ich eine persönliche Statistik über meine verwendeten und erfolgreichsten Fliegen im Jahr und in dieser Statistik sind es immer 7 Fliegenarten welche dabei hervorstechen. Genau genommen sind es vier Gruppen von Fliegen:

  1. Fliegen welche ich in Grundnähe fische: Goldkopfnymphen
  2. Fliegen für das Mittelwasser: Aufsteiger
  3. Fliegen für die Wasseroberfläche: Trockenfliegen
  4. Saisonal- bzw. gewässer- oder fischabhängige Fliegen: Maifliege, Brotfliege, Streamer usw.

Variieren tun meine Fliegen lediglich in der Hell-/Dunkel-Abstufung und in der Hakengröße. Mit der Hakengröße 10 - 16 decke ich das ganze Jahr über ab wenn man mal von Streamern absieht. Eine weitere Einteilung veranschaulicht und vereinfacht das Thema noch mehr:

1. Fliegen welche ich in Grundnähe fische:

Geht's in die tiefste Etage eines Gewässers so haben hauptsächlich drei Fliegen ihren festen Platz in meiner Box: Die Goldkopf-Red-Tag, die Hasenohrnymphe und die Rote Montana. Wenn ich von der tiefsten Etage spreche, meine ich tiefe Gumpen oder Rinnen in einem Gebirgsbach und nicht die tiefsten Stellen in unseren bayrischen Seen. Das ist ein anderes Kapitel.

Die Goldkopf-Red-Tag meist in der Hakengröße 12, die Goldkopf-Hasenohrnymphe in der Hakengröße 10 mal dunkel und mal hell und die Rote Montana in der Hakengröße 10. Als Goldkopf verwende ich aus Umweltgründen Tungsten. Diese sind schwerer wie Blei und werden von der Natur besser abgebaut. Die Goldkopf-Red-Tag binde ich gerne auch mit einem Grizzly-Hechelkranz.

Goldkopf-Red-Tag
Goldkopf-Hasenohr-nymphe hell
Goldkopf-Hasenohr-nymphe dunkel
Goldkopf-
Rote-Montana
Bindeanleitung

2. Fliegen für das Mittelwasser: Aufsteiger

Im Mittelwasser verwende ich gerne drahtgebundene Fliegen (Nymphen oder besser gesagt: Aufsteiger). Sie lassen sich sehr gut führen da sie förmlich im Wasser schweben. Von den drei hier gezeigten hab ich nur immer eine Art dabei. Entweder eine Ritz-D oder eine Arthofer oder eine Fasanenschwanznymphe. Meistens fische ich im Mittelwasser das ganze Jahr über die Ritz-D und das aber sehr erfolgreich. Hin und wieder kommt es vor dass ich gerade keine Ritz-D zur Hand habe dann weich ich auch mal auf die anderen 2 Fliegen aus. In der Handhabung und Fängigkeit sind sie sich ziemlich ähnlich.

Ritz-D
Arthofer Fasanenschwanznymphe

3. Fliegen für die Wasseroberfläche: Trockenfliegen

Die schönste Art des Fliegenfischens ist zweifelsohne das Fischen mit der "Trockenen". Jagen die Fische an der Wasseroberfläche oder gar in der Luft dann ist es höchste Zeit für die Trockenfliege. Dabei sind es bei mir zwei Fliegen die meistens mit einem Fisch zurück kommen, die Adams und die Mosquito. Wärend die Adams eher im Frühjahr fängt, ist es im Spätsommer und Herbst die Mosquito welche auf Saiblinge, Äschen, Bach- und Regenbogenforellen unwiederstehlich wirken. Es wäre allerdings zu einfach dass zu pauschalieren. Gerade heuer, im Jahr 2012 hab ich im Herbst noch sehr gut mit der Adams gefangen. Also am besten Beide in die Box packen. Ist die Mosquito gut in Uferbereichen mit überhängenden Büschen und Bäumen so ist die Adams die Erfgolgsfliege im klaren nicht allzu tiefen Wasser. Die Adams kommt bei mir immer in zwei Bindetechniken zum Zug, einmal die "normale" Adams mit Dubbing-Körper und die Irresistible Adams mit einem Rehhaarkörper. Aber auch die Rehhaarsedge ist nicht zu verachten. Sie kann man auch getrost flußabwärts fischen und selbst ein Schlittern der Fliege verleitet die Fische zum zubeissen.

Im Frühjahr binde ich die Adams meist auf Hakengröße 12 oder sogar auf Hakengröße 10, da geht sie gelegentlich auch als kleine Maifliege durch, wogegen ich (bzw. die Fische) im Herbst Hakengröße 12 - 16 bevorzugen. Die Rehhaarsedge binde ich in der Regel auf Hakengröße 12 bzw. im Herbst auch mal 14. Falls jemand hier die Maifliege vermisst, die kommt später bei den saisonalen Fliegen.

Adams
Mosquito Rehhaarsedge
Bindeanleitung

4. Saisonal- bzw. gewässer- oder fischabhängige Fliegen: Maifliege, Streamer usw.

Saisonalbedingte Fliegen:

Unter saisonalbedingte Fliegen verstehe ich Fliegen, welche ich nicht immer in der Box habe, sondern nur wenn sie aktuell wird. Da die Natur nicht jedes Jahr zur gleichen Zeit die gleichen Fliegen präsentiert, ist die nachfolgende Monatsauflistung nur ein ungefährer Wert. Je nach Witterung können sich die Angaben in den Jahresanfang bzw. in das Jahresende verschieben. Ich beginn das Fliegenfischerjahr mit dem März, auch wenn viele Fließgewässer in dieser Zeit noch gesperrt sind.

März Märzbraune (Marchbrown)

Bindeanleitung

Der Schnee wird von der warmen Märzsonne schon weniger oder ist schon ganz weg. Das ist die Zeit für eine der besten Nassfliegen und Frühjahrsfliegen die ich kenne, der Märzbraunen. In Hakengröße 10 gebunden sollte sie in dieser Zeit in der Fliegenbox sein. Wer möchte kann sie aber auch weit ins Frühjahr hinein und sogar das ganze Jahr über fischen. Im Herbst etwas kleiner binden, etwa Hakengröße 12.
April Köcherfliege

Bindeanleitung

Oft sind sie im April schon da, die ersten Köcherfliegen. Wenn ich die Ersten sehe, wird gewechselt. Die Märzbraune kommt raus und die Sedge rein in die Fliegenbox. Welche Art von Sedge oder Caddis bleibt natürlich Euch überlassen. Ich verwend gerne die im Bild abgebildete da sie häuffig an der Leitzach und Mangfall anzutreffen ist. Aber auch jede andere Art von Köcherfliegenimitat fängt in dieser Zeit. Egal ob mit richtigen Flügel, Rehhaar, CDC oder sonstigem Material gebunden.
Mai Maifliege

Bindeanleitung

Ist die Maifliege da, wird wieder gewechselt. Gerade in dieser Zeit fressen die Fische sehr selektiv. D.h., Eine Maifliege gehört jetzt in die Fliegenbox. Ist die Maifliege noch eher vereinzelt anzutreffen, reicht auch eine etwas größer gebundene Adams (Hakengröße 10). Für den Fliegenfischer ist das eine der schönsten Zeiten. Gerade in den Abendstunden ist das Fischen mit der Maifliege ein Traum. Die Maifliegenzeit kann mal ganz kurz sein, sich bis in den Herbst hinein erstrecken oder auch mal ganz ausfallen.
Juni Goldkopf-Hasenohrnymphe

Bindeanleitung

Die Fische stehen, je nach Witterung, jetzt schon etwas tiefer und nehmen verstärkt Nymphen und Aufsteiger. In dieser Zeit lasse ich meist den Bestand in meiner Fliegenbox und verstärke höchstens die Nymphen. Gerne verwende ich dann Goldkopf-Hasenohrnymphen in verschiedenen Hell-/Dunkelabstufungen. Meist hellbraun und dunkelbraun.
Juli

Bindeanleitung

Frühsommer, Zeit der Heuernte. Fahr ich zu einem Gewässer welches durch Wiesen fließt und die Heuernte ist schon in vollem Gange kommt eine Heuschrecke in die Box. Heuschrecken werden sehr gerne angenommen, sind sie doch sehr proteinreich und bereichern das Nahrungsangebot für unsere Wasserbewohner erheblich.
August

Bindeanleitung

Ein kleines Erlebnis aus meiner Anfangszeit veranlasst mich, im Hochsommer immer eine Schnakenimitation (Daddy-long-leg) mitzuführen. Wir waren an einem sehr heißen Sommertag an der Traun und es ging den halben Tag nichts bis mir ein netter Fliegenfischerkollege eine Daddy-long-leg gab. Drangebunden und die Forellen, in beachtlicher Größe, stritten sich förmlich um meine "Daddy". Seit dem ist sie an heißen Tagen immer in meiner Box und auch heute noch holt sie in dieser Zeit immer wieder mal schöne Fische vom Grund herauf.
September

Bindeanleitung

Es ist Herbst und der Wasserstand ist schon niedriger geworden. Das Wasser ist meist klarer. In dieser Zeit verwende ich gerne sehr kleine Trockenfliegen, am besten eine Rehhaarsedge auf Haken der Größe 14 - 16 oder auch eine Fratnik in Hakengröße 14 - 18.
Oktober

Bindeanleitung

Die Mosquito gehört zwar zu den Fliegen welche ständig in meiner Box sind aber da ich sie gerade im Spätherbst oft erfolgreich einsetze, erwähne ich sie hier nochmals. Auch im Spätherbst sieht man häufig noch viele kleine Eintagsfliegen über das Wasser schwirren. Die Mosquito imitiert viele davon und wird sehr gerne von unseren Freunden den Fischen genommen.

Die Monatstabelle ist rein meine eigene persönliche Erfahrung und muß sich nicht mit anderen Erfahrungen decken. Selbstverständlich ist das Wichtigste die eigene Beobachtung am Wasser. Zwischen den Monaten können sich natürlich immer wieder witterungsbedingt Verschiebungen ergeben. So kann der Frühling z.B. schon im Februar einsetzen oder auch erst im Mai. Aus diesem Grund bitte die Tabelle nicht exakt so umsetzen sondern immer das Wetter und/oder die Situation am Wasser beobachten!

Gewässerabhängige Fliegen:

Auch die nachfolgend genannten Fliegen sind nicht ständig in meiner Fliegenbox sondern kommen nur dann hinein, wenn ich das Gewässer und seine derzeitige Situation im Vorhinein kenne.

Im Frühjahr, nach der Schneeschmelze sind unsere Gebirgsbäche oft sehr trüb und der Wasserstand sehr hoch. Hier geben viele Fliegenfischer auf. Aber das muß man keinesfalls. Was sich bei mir in dieser Situation immer bewährt hat sind zwei Fliegen. Genau genommen eine Steinfliegenimitation und ein Streamer und zwar die Montana und der Woolly-Bugger. Die Montana aber nicht wie üblich in gelb oder grün gebunden, sondern in rot. Beide haben mich schon sehr oft in Extremsituationen vor einem "Schneidergang" bewahrt was mich aber jetzt nicht als "Kampffischer" darstellen soll, welcher um jeden Preis seinen Fisch fangen will. Davon bin ich weit entfernt. Ich möchte damit nur andeuten, dass man in solchen Situationen auch noch seinen Fisch fangen kann und deswegen nicht aufgeben muß.

Auch in tiefen Gumpen oder Rinnen sind diese beiden Fliegen unschlagbar. Muß ich sehr schnell tief hinunter, nehm ich gerne einen größeren Haken und binde auch schon mal einen zweiten Tungstenkopf an die Fliege.

Rote Montana
Woolly-Bugger

Fischabhängige Fliegen:

Wenn es in stehenden Gewässern mal auf Karpfen geht, ist die Brotfliege meine erste Wahl. Bei herumziehenden Karpfen lege ich sie einfach in die Schwimmrichtung und warte bis sie einer regelrecht einschlürft. Karpfen mit der Fliegenrute zu fangen kann sehr viel Spaß machen. Die Brotfliege im Wasser einfach liegen lassen, der Karpfen soll die Fliege finden und nicht das Brotstückchen den Karpfen.

Brotfliege

Eine weitere fischabhängige Fliege ist der Hechtstreamer. Geht es auf Hecht bleibt natürlich die "normale" Fliegenbox zu Hause oder im Auto. Zum Hechtfischen hab ich eine größere Box in der meist ein Bunny oder ein ganz einfach zu bindender Hechtstreamer (ohne Namen) drin ist. Die meisten Hechte hab ich mit dem Bunny gefangen auch wenn sich dieser "nasse Hase" nur schwer werfen läßt. Wenn jemand mit dem Fliegenfischen beginnt sollte er noch nicht mit solchen "Geschützen" werfen. Da landet die Fliege schon mal da wo sie nicht landen soll, im Ohr oder sonst wo.

Bunny
Hechtstreamer

Meine Fliegenbox mit den 7 Fliegenarten die mich zum Wasser begleiten:

Wie sieht sie nun aus, meine Fliegenbox? Die meiste Zeit ist sie so gefüllt wie in den unteren Abbildungen. Für die Kurse sind natürlich von jeder Sorte mehr drin.

Dem Fliegenfischneuling empfehle ich von jeder Fliegenart mindestens zwei Stück zu kaufen oder zu binden - aber von jeder Fliegenart! Nicht hundert Fliegenmuster bringen den Erfolg sondern erschweren nur die Auswahl am Wasser. Drei Etagen im Wasser müssen abgedeckt werden und noch in einzelnen Fällen eine Hell-/Dunkelabstufung. Das reicht um erfolgreich durch's Jahr zu kommen. Nachfolgend die 7 Fliegenarten wobei die 7. Fliegenart wahlweise ist und kein muß darstellt. Meist ist die Märzbraune mit dabei da sie entgegen ihren Namen das ganze Jahr über sehr fängig ist.

1. Goldkopf-Red-Tag
2. Goldkopf-Hasenohrnymphe hellGoldkopf-Hasenohrnymphe dunkel
3. Ritz-D
4. Adams
5. Mosquito
6. Rote Montana
7.

Märzbraune (Marchbrown)RehhaarsedgeMaifliegeHeuschreckSchnake (Daddy-long-leg)Fratnik (F-Fly)Woolly-BuggerBrotfliegeBunnyHechtstreamer

Viele werden jetzt sagen: "ja, aber da fehlen noch die oder die Fliege!". Sicher läßt sich jede, der hier erwähnten Fliegen, durch eine andere ersetzen und auch die Fliegenbox erweitern aber dann begeben wir uns wieder in die Richtung der hundert Fliegen von denen ich am Wasser nur einige brauche. Seht es als Vorschlag und Anregung nur die Fliegen mit ans Wasser zu nehmen, welche ich auch an dem jeweiligen Gewässer, der Situation oder dem Zielfisch benötige! Es steht natürlich jedem frei die vorgeschlagenen Fliegen auszutauschen und/oder zu erweitern! Keinesfalls soll dies als Muß verstanden werden! Der Spaß am binden und ausprobieren neuer Fliegen ist trotz dieser "Kampffliegen" über Jahrzehnte bei mir mmer noch geblieben.

Ich wünsch Euch eine schöne und erfolgreiche Zeit am Wasser!