Die Fliege

Eintagsfliege - die Echte und ihre NachbildungWas ist nicht schon alles geschrieben worden über die Fliege in der Natur (Entomologie) und über die künstliche Fliege ("Gott sei dank" gibt es dafür noch keinen wissenschaftlichen Namen, oder doch?). Ich möchte heute mal versuchen dieses unerschöpfliche Thema gerade für den Fliegenfisch-Neuling vereinfacht darzustellen. Alle Fliegenbinde-Profis möchte ich bitten mal ein Auge zuzudrücken. Sicher ist das Fliegenbinden ein wunderschönes und zum Fliegenfischen ergänzendes Hobby. Auch ein Insekt so perfekt wie möglich nachzubinden ist bestimmt erstrebenswert. Aber ist es auch notwendig? Mir geht es in diesem Bericht einzig und allein darum, den Fliegenfisch-Neuling nicht mit Begriffen aus dem Fliegenbinden oder der Entomologie (Insektenkunde) schon am Anfang ihres neu gewählten Hobbys zu erschlagen. Mein Anliegen ist es, dem Fliegenfischanfänger die Fliegenwahl zu vereinfachen und nicht zu verkomplizieren. Ist es wirklich notwendig tausende Fliegen zu kennen (jedes Jahr kommen weitere tausend Muster und Variationen dazu), ihre Namen, ihr Aussehen oder sogar noch den lateinischen Namen ihres Vorbildes zu wissen? Ich sage eindeutig "Nein"! Nicht die Fliege ist der maßgebende Erfolgsfaktor sondern die eigene Beobachtung am Wasser, die Art der Fliegenpräsentation und -führung. Denkt nur einmal daran wie viele einzelne Präsentations- und Führungsmöglichkeiten es für jede einzelne Fliege gibt.

Überfüllte Fliegendosen mit den schillerndsten Fliegen, je bunter desto besser. Fliegen, die alleine schon durch ihr Äußeres magische Zauberkräfte entwickeln oder künstliche Fliegen welche sogar beim Paarungsflug von ihren echten/natürlichen Partner verwechselt werden. Dafür gibt es keine Notwendigkeit.

Fehler bei der Fliegenwahl können nicht durch Zukauf neuer Fliegen kompensiert werden!


Augen auf beim Fliegenkauf!

Bei vielen Fliegen hab ich oft den Eindruck daß hier nicht der Fisch gefangen werden soll, sondern der Fliegenfischer. Hier mal einige der häufigsten Fehler bei der Fliegenwahl bzw. beim Fliegenkauf:

Fehler Nr. 1 - Kauf nach der Optik:

Einer der häufigsten Fehler beim Fliegenkauf. Er führt nur zu vielen Fehlkäufen und zu vollen Fliegenboxen die die Auswahl am Wasser nur erschweren und bestimmt nicht zu mehr Erfolg führen! Nicht die Schönheit oder (oft bei jungen Fliegenfischern) die Häßlichkeit der Fliege ist maßgebend sondern Erfahrungswerte und die eigene Beobachtung: wo und wann soll die Fliege zum Einsatz kommen? Stehendes Gewässer, Fließgewässer, starke Strömung, schwache Strömung, dunkles Wasser, helles Wasser, tiefes Gewässer, flaches Gewässer, Jahreszeit, Tageszeit usw.? Diese Fragen sollte man sich stellen und vor allem das Gewässer welches man befischen will immer wieder beobachten. Man kann Gewässer lesen wie ein Buch und seine Schlüsse daraus ziehen!

Fehler Nr. 2 - Kauf von unbekannten Fliegen:

Dem Anfänger möchte ich ersteinmal raten sich an die Klassiker, welche in vielen Büchern immer wieder vorkommen zu halten. Diese Fliegen sind nicht umsonst Klassiker und stehen auch berechtigter Weise in den Büchern. Bei ihnen sind die Erfahrungswerte bekannt. Ausserdem sind sie in fast jedem Fliegenfischergeschäft zu bekommen. Bei den unten aufgeführten Klassikern müssen nicht unbedingt alle Arten gekauft werden! In der Regel reicht es die 3 "Etagen" im Wasser (Grund, Mittelwasser, Wasseroberfläche) abzudecken und dann noch ein paar aktuell vorkommende Insekten (Maifliegen, Schnaken . . .) - also ein paar Nymphen, ein paar Nassfliegen, ein paar Trockenfliegen und noch ein paar (Land-)insekten welche gerade an dem Angeltag vorkommen. Dazu auch ein interessanter Bericht: Mit 7 Fliegenmuster das Jahr über am Wasser.

Was sind z.B. Klassiker?

Trockenfliegen:

Adams Mosquito Red Tag Bivisible Fratnik usw.
Adams Mosquito Red Tag Bivisible Fratnik

Ausserdem seien noch erwähnt: Rehhaarsedge, Daddy-Long-Leg (Schnacke).

Nassfliegen:

Märzbraune Alexandra usw.
Märzbraune Alexandra

Zusätzlich noch Blue Dun oder Fletcher.

Nymphen:

Ritz D Arthofer Goldkopf Red Tag Pheasant Tail (Fasanenschwanznymphe) Montana Hasenohrnymphe usw.
Ritz D Arthofer Goldkopf-Red Tag Pheasant Tail Montana Hasenohr-nymphe

Weitere gute Klassiker bei den Nymphen wären noch die grüne oder gelbe Montana, Softhackle oder Pfaugrasnymphe.

Landinsekten:

Ameise Heuschreck Käfer usw.
Ameise Heuschreck Käfer

Flohkrebse:

Bachflohkrebs usw.
Bachflohkrebs

Streamer:

Forellenstreamer Bunny Hechtstreamer Woolly Bugger usw.
Forellenstreamer Bunny Hechtstreamer Woolly Bugger

Fehler Nr. 3 - aufgedrängte Fliegen:

Lieber Fliegenfischer-Neuling! Lass Dir im Geschäft keine Fliegen aufdrängen. Prüfe auch ob der Verkäufer überhaupt ein Fliegenfischer ist. Nicht selten sind Fliegen die einem regelrecht aufgedrängt werden mindere Qualität und schon beim ersten Biss vollkommen zerstört oder sogar der Haken aufgebogen. Frage ruhig auch mal nach warum z.B. gerade diese Fliege für meine Bedürfnisse (Gewässer) so gut ist. Sei Vorsichtig wenn der Verkäufer keine Gegenfragen stellt. Man kann keine Fliegen mit ruhigem Gewissen empfehlen ohne zu wissen für welches Gewässer, Situation am Wasser oder für welchen Fisch die Fliege sein soll!

Fehler Nr. 4 - Kauf über Internet:

Superangebote über Internet z.B: 100 fängige Fliegen zum Preis von x,xx € sollte man mit Vorsicht geniesen! Meist sind darin, etwas überspitzt gesagt, 3 fängige Fliegen und der Rest für den Müll. Sicher kann man über Internet auch mal ein Schnäppchen machen aber warum soll ich gleich am Anfang meines schönen Hobbys Abenteuer in Sachen Fliegenkauf eingehen. Wie oben schon erwähnt führt das nur zu Frust am Wasser, allein schon bei der Frage: "welche Fliege nehm ich jetzt von den Hundert im Internet gekauften?". Bis ich als Anfänger die Hundert Fliegen durchprobiert habe und vielleicht mal einen Zufallstreffer lande vergeht viel Zeit und man greift wieder zurück auf frühere Angelarten. Die gute Fliegenausrüstung landet auf "Nimmerwiedersehn" irgendwo im Keller. Das wäre schade für so ein wunderschönes Hobby. Also lieber weniger Fliegen kaufen dafür aber Fliegen die schon Erfolge nachgewiesen haben. Man kann sie ruhig auch in Internetshops kaufen aber gerade am Anfang würde ich gezielt vorgehen, also sich an Fliegen mit nachgewiesenen Erfolgen halten.

Fehler Nr. 5 - Kauf vieler einzelner Fliegen verschiedener Art:

Besser als viele einzelne Fliegen (Arten) zu kaufen ist von einer, bereits erfolgreichen Art, mehrere (etwa von jeder Fliege 2 oder mehr Stück) zu kaufen. Gerade am Anfang reißt oft die Fliege bei einem kräftigen Biss ab was bedeuten kann, dass die Fliege zwar fängig war aber man erinnert sich nicht mehr an das Aussehen. Wenn eine Fliege, die vorher schon gut gefangen hat irgendwo im Baum oder Busch landet hat man noch eine Zweite oder sogar Dritte in der Fliegenbox und kann mit dieser Fliege dann weiter fischen oder sie später nachkaufen oder nachbinden. Auch an dieser Stelle nochmals der Hinweis auf meinen Bericht: Mit 7 Fliegenmuster das Jahr über am Wasser.

Fehler Nr. 6 - Knallige Farben:

Die Farbe der Fliegen wird häufig überbewertet. Kräftige, knallige Farben sind höchstens bei sehr trübem Wasser erforderlich wie es oft nach ergiebigen Regenfällen der Fall ist. Wichtiger halte ich die Hell- und Dunkelabstufung möglichst in Naturfarben (oliv, braun, grün, beige usw.). Ein kleiner, einfacher Test veranschaulicht das ganze etwas: Man nimmt eine Glasschale gibt Wasser hinein und setzt eine helle und eine dunkle Trockenfliege darauf. Dann hält man die Glasschale gegen eine weiße Zimmerdecke. Man wird feststellen, daß sich die dunkle Fliege gegen die helle Decke besser abzeichnet wie die helle Fliege und dass man fast nur Konturen und eine Hell- Dunkelabstufung erkennen kann. Im Zusammenhang mit den Konturen sei auch gesagt dass die Proportionen einer Fliege stimmen müssen.

Taucher kennen das Phänomen der Farbauslöschung (Farbfilterungsgesetz) bei der z. B. die Farbe Rot bereits nach einem Meter Tiefe schon etliches an Intensität verliert. Nach ca. 5 Metern ist die Farbe Rot als solche schon nicht mehr erkennbar. Blau verschwindet nach etwa 50 Metern, Schwarz und fluoriszierende Farben halten sich am längsten.

Fehler Nr. 7 - Falsche Hakengröße:

Dem Anfänger rate ich, gerade beim Trockenfliegenfischen auf Salmoniden, zu einer Hakengröße zwischen 10 und 14. Diese Hakengröße deckt zwischen Mai und September die größte Palette an Insektenvorkommen ab.


Die eigene Beobachtung

Oberstes Gebot bei der Fliegenwahl ist immer die eigene Beobachtung! In meinen Kursen empfehle ich gerne dem neuen Fliegenfischer sich eine Jahreskarte für ein Gewässer zu besorgen und dieses dann eine Saison lang zu beobachten und natürlich zu befischen. Trotzdem wird das Fließgewässer im nächsten Jahr schon wieder ganz andere Eigenschaften aufweisen als in diesem. War im letzten Jahr der Schlupf der berühmten Maifliege im Mai, so kann sie im darauf folgenden Jahr witterungsbedingt schon im April oder erst im Juni schlüpfen. Das gilt aber auch für fremde Gewässer. Wichtig bei allen nachfolgenden Beobachtungen ist auch, Zusammenhänge zu erkennen und in der Fliegenwahl zu berücksichtigen.


Was ist alles zu beobachten:

Die Jahreszeit:

FrühlingFrühjahr:
Das Eis schmilzt, die ersten Gewässer tauen auf. Auch die ersten Insekten schlüpfen schon. Zuckmücken können die Fische schon zum gelegentlichen Steigen animieren. An einem warmen Frühlingstag sind auch schon Köcherfliegenlarven unterwegs. Ab April sind auch schon die ersten Landinsekten zu beobachten, Wasserwanzen und -Käfer. Wer kennt sie nicht, die berühmteste aller Eintagsfliegen, die Maifliege. Sie zeigt, daß die Fliegen im Frühjahr (ab April, Mai) schon eine beträchtliche Größe (bis 3 und mehr cm) annehmen können. In der Maifliegenzeit fressen die Forellen sehr selektiv. D. h. sie nehmen kaum eine andere Nahrung auf als die Maifliege sofern sie an dem Gewässer vorkommen. Einige von vielen Erkenntnissen daraus: große Haken und in dieser Zeit gehört die Maifliegenimitation in die Fliegenbox.

SommerSommer:
Das Insektenaufkommen und auch die Arten werden mehr. In dieser Zeit gehen vor allem auch Nymphen und Aufsteiger (Emerger). Die Schlupfzeiten sind in dieser Zeit häufig in den Abendstunden. Wer kennt das nicht vom Baden im Sommer. Gerade an schwülen Sommerabenden ist man plötzlich von Fliegen umgeben. Das hängt u.a. auch damit zusammen daß sich mit der Dämmerung auch die Luftfeuchtigkeit erhöht und diese wiederum notwendig für den Schlupf ist. Auch die Landinsekten wie Heuschrecken, Käfer und Ameisen werden mehr. Sommer ist auch die Zeit der Schnaken. Ein Zeichen für die Daddy-long-legs, eine Schnakenimitation. In sehr heißen Sommern finden wir die Fische mehr in den sauerstoffreichen Teilen des Gewässers (tiefe Stellen, am Grund, in Staustufen, Einläufen usw.). Immer da wo das Wasser durchgewälzt wird. Auch diese Faktoren sind bei der Fliegenwahl ausschlaggebend. Z.B. buschige Fliegen in und unter Wasserfällen oder sehr schwere Nymphen um schnell in tiefe Stellen im Gewässer zu kommen.

HerbstHerbst:
Die Insekten und Arten werden weniger. Die Insekten werden kleiner (Hakengröße!). Die Fische ziehen sich öfter in Grundnähe zurück um von der Bodennahrung zu leben (Fliegenlarven, Krebstierchen usw.). Nymphenimitationen gehören gerade in dieser Zeit in die Fliegenbox. Andererseit steigt in dieser Zeit, erntebedingt, das Vorkommen gewisser Landinsekten. Heuschrecken-, Käfer- und Wespen-Imitationen sind für den Herbst eine gute Wahl. Auch der Wasserstand erreicht meist im Herbst seinen niedrigsten Pegel und oft auch das klarste Wasser. Das bedeutet auch, kleinere, naturfarbene Fliegen an der Wasseroberfläche (Trockenfliegen) anbieten. Noch mehr auf Deckung, "sauberes" Werfen und Präsentation achten!

WinterWinter
Bei milden Wintern muß man - natürlich unter Beachtung der Schonzeiten - nicht auf das Fischen verzichten. Zuckmücken oder Kriebelmücken sind dann immer noch zu beobachten. Die Fische stehen dann gerne im Bereich der Eiskanten. Huchen sind gerade im Winter sehr aktiv, leider auch bei Wettersituationen wo man sprichwörtlich nicht einmal den Hund hinaus läßt. Meine schönsten Hechte habe ich meist dann gefangen wenn es gerade erst anfängt zu schneien.



Die Tageszeit:

Eintagsfliegen schlüpfen im Frühjahr und im Herbst meist in den Nachmittagsstunden. Im Sommer mehr in den Abendstunden. Die Schlupfzeit der Steinfliegen ist vom Frühjahr bis Herbst meist vom Spätnachmittag an bis tief in die Nacht hinein. Von Mai bis Oktober ist die Haupt-Schlupfzeit der Köcherfliegen vom Nachmittag bis oft die ganze Nacht durch. Aber auch die Morgenstunden darf man nicht vernachlässigen. Glaubt man Statistiken, werden in den Morgenstunden fast genauso viele Fische gefangen als in den Abendstunden. Nicht ganz so ideal ist an heißen Sommertagen die Mittagszeit. Diese sollte man besser in einem schönen schattigen Biergarten verbringen und dort den berühmten Abendsprung abwarten. An dieser Stelle noch ein kleiner Hinweis: In der Natur zu pauschalieren ist immer schwierig. Das soll heißen, dass die Natur auch immer wieder für Überraschungen sorgt und sich nicht immer an unsere Regeln und Lehrbücher hält.

Das Wetter:

Lichtverhältnisse:
Das Wetter ist für den Fliegenfischer u.a. wegen der Lichtverhältnisse interessant. Wie sieht der Fisch meine Fliege? Bei bedecktem Himmel oder dunklen Wolken ist für den Fisch auch das Wasser dunkel. Somit ist eine helle Fliege angesagt die sich einfach besser in den Konturen gegen den Himmel abzeichnet. Umgekehrt zeichnet sich eine helle Fliege an einem hellen Himmel (Sonnenschein) aus der Sicht des Fisches auch nicht ab. Also ist hier die Wahl eher zu einer dunklen Fliege. Steht der Fisch unter überhängenden Zweigen, ist das Wasser aus der Sicht des Fisches dunkel auch wenn der Himmel noch so klar ist!


Der Wind:
Er spielt gerade in stehenden Gewässern eine große Rolle. Er durchwühlt das Wasser und wirbelt dadurch Bodennahrung auf. Er signalisiert den Fischen "Flugnahrung"! Oft beobachte ich bei aufkommenden Wind eine erhöhte Beißfreudigkeit. Flugnahrung wird z.B. von der Uferbepflanzung auf's Wasser geweht oder manchmal auch in Richtung Ufer. Kommt z.B. der Wind von vorne, wird auf dem Wasser liegende Nahrung auf den Fliegenfischer zu geweht. Die Fische folgen natürlich der Windrichtung oder besser gesagt der Nahrung.


Die Lufttemperatur und -feuchtigkeit:
Für den Schlupf vieler Insekten ist eine hohe Lufttemperatur und -feuchtigkeit notwendig.
Denkt mal an einen schwülen Sommertag. Ihr seid beim Baden. Tagsüber sind kaum Fliegen und Mücken zu sehen. Gegen Abend, wenn die Sonne langsam untergeht sind plötzlich tausende von Fliegen und Mücken um Euch herum. Das ist die Zeit des Insektenschlupf's. Fliegenfischer sprechen dann gerne vom "Abendsprung". Die Sonne geht unter, die Luftfeuchtigkeit erhöht sich: ideale Bedingungen für den Insektenschlupf und auch für die Wasserbewohner welche davon leben. Das ist aber nur Einer der vielen Faktoren, welche für die Paarungs- und Schlupfaktivität verantwortlich ist.


Am Wasser:

Das stehende Gewässer:
Auch in einem stehenden Gewässer läßt sich viel beobachten. Von woher weht der Wind? Treibt er auf dem Wasser liegende Flugnahrung auf mich zu? Was weht er wohin von den Bäumen oder vom Uferbewuchs? Wird der Grund aufgewühlt? Sind Ringe auf der Wasseroberfläche? Nehmen die Fische Oberflächennahrung, wenn ja, was nehmen sie? Stehen die Fische im Mittelwasser oder am Grund? Stehen sie draussen oder in Ufernähe? Welche Insekten befinden sich zur Zeit auf dem Wasser (s.a. Jahreszeit)? Im Gegensatz zu Fließgewässern ziehen die Fische umher um sich ihre Nahrung zu suchen.


Das Fließgewässer:
Wie stark ist die Strömung (starke Strömung: buschige Fliegen, schwache Strömung: feine Fliegen)? Wie ist die Struktur? Kurven, Rieselstrecken, Rinnen, Gumpen, Unterwasserbewuchs, Boden, die Gewässertiefe? Hebt nur mal einen Stein auf und seht was sich darunter alles verbirgt. Eine eigene Welt. Auch Brücken sind gute Beobachtungsplätze und bei mir schon eine richtige Leidenschaft. Ein genauerer Blick in Büsche, Bäume und Gräser am Uferrand gibt Aufschluß über das derzeitige Nahrungsangebot. In Fließgewässern sind Fische in der Regel standorttreuer als in stehenden Gewässern. Ist eigentlich auch logisch. Sie stehen an bestimmten Plätzen gegen die Strömung und lassen die Nahrung auf sich zu treiben. Hinter Steinen, im "Knie" von Gewässerkurven, unter Büschen, oft in den unterspülten Uferregionen, finden sie ihre wichtigsten Lebensgrundlagen: Deckung, Nahrung und Sauerstoff.

Weitere Beobachtungen am Wasser:

Die Uferregion :
Lesen in der Uferregion bringt gute Hinweise darauf was in den letzten Stunden oder Tagen geschlüpft ist (auch herumliegende Fliegen). Der Blick in ein Spinnennetz. Man erfährt einiges über das derzeitige Insektenvorkommen oder sogar über den letzten Schlupf. Über oder ins Wasser hängende Zweige in denen sich oft Raupen und Käfer befinden (Blattunterseite anschauen!). Fliegenbinder: macht einfach ein Foto von der Raupe oder dem Insekt und versucht es zu Hause nachzubinden vor allem wenn Ihr dem Insekt öfters begegnet. Raupen kann man schön und leicht in der Bindeart eines Woolly-Buggers nachbinden. Das dafür benötigte Material findet man in allen Farben.


Die Wassereintrübung bzw. Farbe:
Ist das Wasser glasklar, milchig trüb oder braun wie hier im Bild an der Glonn nach heftigen Regenfällen? Entsprechend die Fliegenwahl: Klares Wasser, naturfarbene Fliegen - trübes Wasser, "knallige" Farben und schwarz. Selbst in dieser braunen, an Milchkaffee erinnernden "Brühe" an der Glonn, wurden noch Bachforellen gefangen. Mit einer roten Montana. Entscheidend für den Erfolg ist gerade in sehr trübem Wasser auch die Führung der Fliege. Mit ruckartigen Bewegungen erzeugt man Druckwellen, welche die Fische über die Seitenlinie empfangen können.
Ist das Wasser hell oder dunkel aus der Sicht des Fisches? Helles Wasser: dunkle Fliege, dunkles Wasser: helle Fliege. Nehmt einmal eine Glasschale mit Wasser, setzt dort eine helle Fliege rein und betrachtet Euch das Ganze gegen eine helle Zimmerdecke. Ihr werdet feststellen dass eine dunkle Fliege in diesem Beispiel wesentlich besser zu erkennen ist. Dunkel ist das Wasser aus der Sicht der Fische aber auch, wenn z. B. der Fisch unter einem überhängenden Busch oder Baum steht.

Gewässertiefe:
Bei tieferem Gewässer kann man ruhig eine Hakengröße mehr nehmen. Fischt man weiter oben: kleinere Haken. Blei- (besser Tungsten-)beschwerte Fliegen und/oder Streamer sind in tiefen Gewässern meist der Renner. Tiefe Gumpen werden gerne von den "Großen" eingenommen und da stehen sie dann auch meist ganz unten in Grundnähe. Auch unterhalb von Kaskaden, in dem dort tiefen und sauerstoffreichen Wasser, halten sich die Fische gerne auf. Tiefe Gewässerrinnen haben oft auch eine sehr starke Strömung. Ein Menden der Schnur wird dann sehr schwierig. Dann ist "Tschechisch fischen" ideal indem man schräg gegen die Strömung (stromaufwärts) wirft und die Rute in der Strömungsgeschwindigkeit stromabwärts mitführt. Die Flugschnur liegt dabei nicht auf dem Wasser!

Gewässerort:
Wo befindet sich das Gewässer? In einem Bach, der durch einen Wald fließt sind z. B. Ameisen-Imitationen (wie z.B. Black-Ant) immer eine gute Wahl. Oder nehmen wir einen Wiesenbach. Der Bauer hat gerade frisch gemäht. Einer Heuschrecken- oder Käferimitation werden die Fische an einem solchen Bach bestimmt nicht wiederstehen.
Gebirgsbäche haben sehr unterschiedliche Strukturen und Wasserstände. So führt das Gewässer meist nach der Schneeschmelze (im Frühjahr) sehr viel (milchigtrübes) Wasser wogegen im Herbst Niedrigwasser bis ausgetrocknete Abschnitte vorherrschen. Die Fliegenwahl ist dann entsprechend. Hochwasser: große, schwere Fliegen mit knalligeren Farben, klares und/oder Niedrigwasser: leichte Fliegen in Naturfarben.
Fließt das Gewässer durch einen Ort, sind Brücken und Uferbereiche bevorzugte Standplätze für unsere Fische.


Von der natürlichen zur künstlichen Fliege!

Ob jetzt die gekaufte oder nachgebundene Fliege ein, zwei oder drei Schwänzchen hat ist für den Erfolg nicht maßgebend. Unsere Fische sind keine Mathematiker. In erster Linie muß die künstliche Fliege nach etwas Fressbarem aussehen und vor allem in den Konturen seinem natürlichem Vorbild ähnlich sein. Hat man dies erreicht, ist das schon die halbe Miete. Eine große Rolle spielt allerdings die Größe (Hakengröße) und die Proportionen. Stimmen diese nicht wird man höchstens Zufallstreffer landen. Die nachfolgenden Bilder sollen die Umsetzung von der natürlichen Fliege zur Nachbildung veranschaulichen.

Zum leichteren Verständnis bleibe ich bei den drei, für den Fliegenfischer, wichtigen Fliegen: Eintagsfliege, Köcherfliege und Steinfliege. Zur Erinnerung:

Eintagsfliege

Köcherfliege

Steinfliege

Flügelstellung der Eintagsfliege Flügelstellung der Köcherfliege Flügelstellung der Steinfliege
Eintagsfliege (Maifliege) - Die Echte Köcherfliege (Philopotamus) - Die Echte Steinfliege - Die Echte
Eintagsfliege (Maifliege) - Die Nachbildung Köcherfliege (Sedge, Caddis) - Die Nachbildung Steinfliege - Die Nachbildung
Eintagsfliegenlarve Köcherfliegenlarve Steinfliegenlarve
Eintagsfliegenlarve - Die Echte Köcherfliegenlarve - Die Echte Steinfliegenlarve (Perla Burmeisteriana) - Die Echte
Eintagsfliegenlarve - Die Nachbildung (Ritz-D) Köcherfliegenlarve mit Gehäuse - Die Nachbildung Steinfliegenlarve - Die Nachbildung

Metamorphose am Beispiel der Eintagsfliege (Maifliege):

Das Weibchen stirbt nach der Eiablage und treibt mit ausgebreiteten Flügel auf der Wasseroberfläche (Spent).Etwa 12 Tage nach der Eiablage schlüpfen die Larven (Nymphen). Immer wieder wird das zu eng gewordene Kleid abgestreift und ersetzt (Häutung). Das ganze passiert ca. 15 mal bevor dann die Nymphe nach oben zur Wasseroberfläche steigt (Emerger) wo dann die Flügelscheide platzt und die Flügel frei werden. Das Larvenstadium dauert je nach Art ca. 1 - 3 Jahre.Die Fliege hat zwar jetzt ihre Flügel, ist aber noch nicht geschlechtsreif. In diesem Stadium bezeichnet man sie als Subimago oder Dun. In diesem Stadium sind sie noch keine guten Flieger aber es reicht bis zum Uferbewuchs.Bei ihrer letzten Häutung entledigt sich die Eintagsfliege ihres Jugendkleides und wird erwachsen (adult). In der Fachsprache heißt sie von hier ab Imago (Spinner). Ab dem Subimagostadium wird nicht mehr gefressen. Ab dem Imagostadium dient die restliche Zeit ihres Lebens nur noch der Fortpflanzung.Die erwachsene (adulte) Eintagsfliege bereitet sich auf ihren Hochzeitsflug vor. Der Kreis schließt sich wieder.Eintagsfliege (Ephemeroptera)Das Weibchen fliegt auf's Wasser um die ca. 2.000 befruchteten Eier abzulegen. Die Eier bleiben an Steinen oder Unterwasserpflanzen haften.Die Paarung erfolgt in der Luft. Dabei fliegen die Männchen ca. 10 m hoch um sich dann langsam, mit ausgebreiteten Flügel und abgespreitzten Schwänzchen wieder absinken zu lassen. Die Weibchen fliegen in den Schwarm und werden sofort von den Männchen noch in der Luft begattet. Die Männchen sterben kurz nach der Paarung. Die Paarung selbst dauert zwischen ein paar Sekunden bis einige Minuten.

Eintagsfliege (Ephemeroptera)

Die 5 Entwicklungsstadien der Eintagsfliegen:

  1. Ei
  2. Larve (Nymphe)
  3. Subimago (Dun) (erstes Schlupfstadium)
  4. Imago (Spinner) (2. Schlupfstadium) fertiges Insekt, fortpflanzungsfähig
  5. Spent, nach der Eiablage stirbt das Weibchen und fällt mit ausgebreiteten Flügeln aufs Wasser.

Die ersten beiden Stadien verbringt sie 1 - 3 Jahre unter Wasser, die anderen Stadien (ca. 1 Tag) ausserhalb des Wassers. Daher auch ihr Name.

Köcherfliege (Trichoptera)

Kein Schwänzchen, vier behaarte Flügel spitzdachförmig über dem Körper gefaltet

Die Entwicklungsstadien der Köcherfliegen

  1. Ei
  2. Larve (Sprock)
  3. Puppe
  4. Beflügeltes Insekt

Die ersten beiden Stadien dauern meist 10 - 11 Monate. Das Puppenstadium 3 - 4 Wochen und die erwachsene Fliege lebt noch Tage bis mehrere Wochen. Köcherfliegenlarven bauen ihr Häuschen selbst aus verschiedenen Materialien wie Steinchen, Sand und Holzstückchen.

Steinfliege (Plecoptera)

Steinfliegenlarve, Perla Burmeisteriana

Für ihre Entwicklung benötigen Steinfliegen 1 - 2 Jahre (je nach Größe). Entgegen der Eintagsfliege haben diese jedoch nur ein beflügeltes Erwachsenenstadium. Steinfliegennymphen lieben schnelles, sauerstoffreiches Wasser und Kies-/Steinböden (im Bild rechts oben eine Perla Burmeisteriana). Steinfliegen sind Indikatoren für sauberes Wasser der Güteklasse I - II! Bei einer Verschmutzung des Wassers sind sie die ersten die verschwinden. Steinfliegen sind meist sehr flugfaul. Sie bleiben in der Regel in der Gegend in der sie über Ufersteine und -pflanzen nachts aus dem Wasser kriechen.

Noch ein ergänzender Bericht eines Maifliegenschlupfs an der Mangfall / Tegernsee.

Weitere Fliegen und deren Bindeanleitungen findet Ihr in meinem Bindestüberl!


Trockenfliege, Nassfliege, Nymphe?

Nymphe: beschwerte Reizfliege, wird in Grundnähe gefischtNymphe: Eintagsfliegenlarve, wird in Grundnähe gefischtNymphe: Steinfliegenlarve, wird in Grundnähe gefischtBachflohkrebs, wird in Grundnähe gefischtStreamer: beschwerter Forellenstreamer, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtStreamer: Woolly-Bugger, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Arthofer, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Arthofer, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Fasanenschwanznymphe (Pheasant Tail), wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Fasanenschwanznymphe (Pheasant Tail), wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Ritz-D, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNymphe, Aufsteiger: Ritz-D, wird in Grundnähe und im Mittelwasser gefischtNassfliege: Märzbraune, wird im Mittelwasser gefischtTrockenfliege: Tenkarafliege (Sakasa Kebari), wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Steinfliege, wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Maifliege Weibchen nach der Eiablage, wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Emerger, Auskriecher, wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Maifliege, wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Köcherfliege, wird auf der Wasseroberfläche gefischtTrockenfliege: Eintagsfliege, wird auf der Wasseroberfläche gefischt

Trockenfliegen:

Adams Mosquito Red Tag Bivisible Fratnik usw.
Adams Mosquito Red Tag Bivisible Fratnik

Einen Fisch auf Sicht womöglich noch mit einer selbstgebundenen Trockenfliege zu überlisten gehört zu den schönsten Erlebnissen eines Fliegenfischers. Da kann es schon öfter vorkommen dass der Fisch die Fliege noch in der Luft und vor der Landung auf dem Wasser holt.

Wie der Name schon sagt wird die Trockenfliege auf der Wasseroberfläche präsentiert. Beim Kauf erkennt man sie meist an dem Hechelkranz quer hinter dem Ör, am Leichtgewicht und vor allem an den schwimmfähigen Materialien die beim Binden verwendet wurden. Immer das Gesamtbild betrachten. Der Hechelkranz alleine reicht noch nicht aus um eine Fliege als Trockenfliege zu definieren, ebenso kann er auch ganz fehlen!

Karakteristik:

Haken: Leicht und feindrahtig
Schwänzchen: Etwa selbe Länge wie Hakenschenkel
Körper: Wasserabweisende / schwimmende Materialien
Hechelkranz: Länge: leicht über die Hakenspitze hinaus
Flügel:
Länger wie Hechelkranz, Eintagsfliege: Flügelstellung aufgerichtet, Köcherfliege: dachförmig, Steinfliege: flach über dem Körper.

Nassfliegen:

Märzbraune Alexandra usw.
Märzbraune Alexandra

Die Nassfliege kann viele Stadien und/oder Insekten imitieren. Ein ertrunkenes (Spinner) oder abgestorbenes Insekt, eine Köcherfliege, eine aufsteigende Larve aber auch gelegentlich ein kleines Fischchen.

Die Nassfliege ist das ganze Jahr über aber besonders im Frühjahr fängig. Größere Haken fischt man in der Regel bei Saisonbeginn, tiefem und/oder trübem Wasser, kleinere bei klarem Wasser und niedrigem Wasserstand. Gefischt wird sie wie ihr Name schon aussagt, unter der Wasseroberfläche manchmal bis in Grundnähe.

Karakteristik:

Haken: Schwer und dickdrahtig mit meist längerem Hakenschenkel
Schwänzchen: Ungefähr halbe Körperlänge
Körper: Bedeckt den ganzen Hakenschenkel, meist Wolle, Chenille oder andere sinkende Materialien
Hechelkranz: Bart oder Beinchen, nur nach unten stehende Fibern bleiben stehen, nach oben stehende werden abgeschnitten. Wenn Hechelkranz dann mit Hennenhechel da diese nicht so gut schwimmen.
Flügel:
Nach hinten gestellt, etwa so lang wie der Haken oder ein bisschen darüber hinaus. Beim Kauf auf gleiche Flügel(Feder)paare achten!
Rippung: Silber- oder Golddraht.

Nymphen:

Ritz D Arthofer Goldkopf Red Tag Pheasant Tail (Fasanenschwanznymphe) Montana Hasenohrnymphe usw.
Ritz D Arthofer Goldkopf-Red Tag Pheasant Tail Montana Hasenohr-nymphe

Nymphen imitieren die Larven der Fliegen am Grund oder während des Aufstiegs zur Wasseroberfläche. Beschwert werden sie dementsprechend am Grund oder im Mittelwasser geführt. Das Aufsteigen der Nymphe wird durch das mehr oder weniger rythmische hochziehen der Nymphe simuliert.

Karakteristik:

Haken:
Schwer und dickdrahtig, je nach Nymphe auch gebogen
Schwänzchen:
Feine Fibern bei der Eintagsfliegennymphe, zwei Borsten bei der Steinfliegen- und keines bei der Köcherfliegenlarve (aber nicht zwingend)
Körper:
Zweigeteilt bei der Eintagsfliegennymphe, durchgehend aber öfter segmentiert bei der Steinfliegennymphe und gekrümmt bei der Köcherfliegennymphe
Torax: Brust aus Draht (meist Kupfer wie z.B. Ritz-D) schwebt mehr nach unten oder Goldkopf.
Flügel:
Nur bei der Köcherfliegennymphe und da nur bis zur Mitte, bei den Anderen, Flügelscheiden.

Weiterführende Berichte:

Mit 7 Fliegenmuster das Jahr über am Wasser
Fliegenpräsentation und -führung
Ralf's Bindestüberl