In der Schlierach mit Frank

5. Mai 2013

Wieder sind wir in unserer kleinen, verträumten Kreisstadt Miesbach und freuen uns bei einem klassisch, bayrischen weiß-blauen Himmel auf eine spannende Fliegenfischerei in der Schlierach. Begleitet werde ich von Frank, einem Fliegenfischerfreund aus vergangenen Tagen. Fliegenfischen direkt in der Stadt ist immer eine Genußtour. Man kann schön im unteren Teil langsam beginnen, dann gemütlich in einem Biergarten die meist beißlose Mittagszeit abwarten und sich dann gestärkt, am Nachmittag fischereilich und klettertechnisch dem "höheren" Teil widmen.

Am Vormittag scheint alles noch ruhig und auch die Fische im unteren Teil der Schlierach sind , von ein paar kleinen vorwitzigen Schlierachbewohnern abgesehen, noch nicht bereit zum Fliegen jagen. Frank und ich sehen das aber gelassen - wir sind ja keine "Kampffischer" - und genießen den einzigen Lärmpegel der Stadt, das Plätschern der Schlierach und das geschäftige, morgendliche Gezwitscher einiger Vögel. Einfach schön so mitten in der Stadt im Wasser zu stehen und eins sein mit der Natur. Irgendwie bin ich immer ganz froh wenn die Beißlust am Vormittag noch nicht so groß ist. Das macht das ganze spannender und am Vormittag sein "Kontingent" an Fischen schon zu erreichen heißt, diesen wunderschönen Tag schon vorzeitig abzubrechen. Will man ein paar Fische mitnehmen, sind sie am Spätnachmittag oder abends gefangen richtig frisch weil ich sie nicht den ganzen Tag mitschleppen muß. Wenn mich Leute fragen ob wir schon was gefangen haben sag ich ihnen immer: "wir fangen sie erst abends, da sind sie schon etwas größer".

Nach einer ausgebigen Mittagspause gehts dann die Schlierach stromaufwärts über die vielen kleinen, von Felsen eingerahmten Gumpen, wo fast jede Einzelne von einer oder mehreren Bachforellen bewohnt ist. Tief stehen sie zwischen den Felsen und lassen sich nur durch unsere Goldkopf-Red-Tag und Montana aus ihrem sicheren Versteck herauslocken.

Frank befischt die andere Uferseite und auch mit Erfolg wie man sieht. Gemütlich geht's Stufe für Stufe hinauf zum oberen, ruhigeren Teil. Gemütlich aber auch deshalb, weil jede schnelle und unkontrollierte Bewegung fatale Folgen für die Rute und was noch schlimmer wäre, für die Beine hätte. Das ist aber beim Fliegenfischen ohnehin angesagt. Kraft und Schnelligkeit sind die größten Feinde beim Fliegenfischen. Schnell schaukelt man sich dabei in ein "selbstgemachtes" Chaos rein bei dem ein Schnursalat noch das harmloseste wäre. Bei Frank hab ich da aber gar keine Sorge. Ruhig und gelassen turnt er souverän von Gumpe zu Gumpe und zeigt freudig zu mir herüber, wenn er wieder eine dieser hübschen Bafos überlisten konnte.

Ich hab inzwischen mal meine Fliege gewechselt und bin von einer Montana auf eine Goldkopf-Hasenohrnymphe umgestiegen. Nicht weil sie nicht mehr fängig war, sondern durch das ständige "anklopfen" an den Felsen langsam kaputt ging und ich nicht soviele dabei hatte. Aber auch die Hasenohrnymphe kam immer wieder mit einem dieser schönen Schlierachbewohner zurück. Ein bisschen trüb ist es unter Wasser noch weil ich die Fotos immer schnell machen möchte und nicht den Fisch warten lassen kann, bis der von mir aufgewühlte Boden wieder klar ist.

Langsam wird die Schlierach wieder etwas flacher und ruhiger und wir treffen im oberen Teil wieder zusammen. Immer noch zeigen sich die Bafos an unseren Fliegen interessiert. Irgendwann geht aber auch der schönste Tag zu Ende und müde aber glücklich und zufrieden treten wir wieder die Heimreise an.

Wieder unten am Auto angekommen treffen wir auf einen kleinen Schwarzfischer. Der Papa sitzt auf der Parkbank und schaut seinem kleinen Jungen beim Angeln zu. Ich kündige mich scherzhaft laut mit "Fischereiaufsicht!" an. Die Reaktion des Kleinen war so nett und verblüffend, vom reinsten Gewissen geprägt: "Magst Du runter kommen? Da haben wir schon zu zweit Platz!" Ich mußte lachen und noch mehr als ich mir seine Ausrüstung ansah. Ein Ast, fast so dick wie mein Arm, woran eine Schnur befestigt war mit einem knallroten Plastikhaken in Daumenstärke, der eher einem kleinen Luftballon glich. Den breiten Hut in die Stirn gedrückt wie ein "alter Hase". So stand er geduldig und breitbeinig am Wasser und wartete bis ein Fisch beißt. Ich wünschte ihm trotzdem ein dickes "Petri heil".

Danke Frank für den schönen Fliegenfischtag in der Schlierach!