In der Königseer Ache mit Markus

26. Mai 2012

Wenn ich mit meinem Freund Markus zum Fliegenfischen gehe dann heißt das immer Abenteuer, Hardcore-Fischen, schöne Fische und tolle Fotos und wenn das ganze auch noch im Berchtesgadener Land stattfindet dann ist das Fliegenfischen vom Allerfeinsten. Unser Ziel ist heute wieder einmal die Königseer Ache. Sie zieht uns halt immer wieder in ihren Bann und mich heute sogar noch in ihre untersten Etagen - aber dazu später.

Wir beginnen an der "Nassen Wand". Der Wasserstand ist nicht zu unterschätzen und dementsprechend ist auch die Strömung die das Handling nicht gerade einfach macht. Gutes Werfen, schnelles menden oder tschechisches Fischen ist hier erforderlich. Als ich das Letzte mal hier war, war der Wandfuß fast frei.

Die "Nasse Wand brachte" uns diesmal keinen Fisch aber der Tag hat ja erst angefangen und die Königseer Ache ist ja lang. Schon ein kleines Stückchen weiter geht die erste Regenbogenforelle auf meine Red-Tag. Auch bei Markus biegt sich die Rute durch und er kann eine schöne Bachforelle landen.

Wieder etwas weiter interessiert sich ein wunderschöner Saibling für Markus Eigenkreation einer Hasenohrnymphe. Jetzt aber schnell die Unterwasserkamera ausgepackt um ihn noch in seinem eigenen Element dem Wasser für die Nachwelt festzuhalten. Ein hübsches Tierchen wenn auch die Gesichtszüge eher an einen grantigen Zeitgenossen unserer Spezies erinnern.

In der Nähe eines Bacheinlaufs jagen uns, bzw. unserer Fliege, immer wieder Regenbogner und Bachforellen nach um im letzten Moment kurz vor dem Haken wieder abzudrehen. Aber das kennt man ja als Fliegenfischer und wenn die Kleinen mit uns spielen wollen dann dürfen sie das auch.

Von einem erhöhten Standplatz aus sehen wir drei schwarze Schatten welche sich nach längerer Beobachtung als schöne Forellen rausstellen. Eine ganz große, eine mittlere und eine kleine. Aber egal was wir ihnen für tolle Fliegen anbieten sie kommen rauf, schauen nur kurz und gehen wieder zum Grund. Die größere der Drei hält mich ganz schön auf Trap und zwingt mich meinen ganzen Erfahrungsschatz an Präsentationsmöglichkeiten einzusetzen. Nachdem sie zum wiederholten Male raufkommt um mit einem Schwall wieder nach unten zu verschwinden binde ich eine Adams ans Vorfach. Ähnliche Fliegen schwirren zwar herum aber es sind mit Ausnahme dieses Regenbogners keine großen Steigaktivitäten zu beobachten. Auch die Adams wird verschmäht und die Refo stellt sich in eine Gumpe auf den Grund wahrscheinlich um abzuwarten bis wir wieder verschwunden sind. Auch die anderen Beiden gesellen sich zu ihr und harren der Dinge die da kommen.

Jetzt muß ich überlegen wie ich sie aus dieser Lauerstellung wieder heraufholen kann. Ich denke mir wenn ich eine schwerere Nymphe immer wieder aufs Wasser auftupfen lasse so dass ein kleines Ringerl entsteht dann müssten sie doch wieder raufkommen um zu sehen was es leckeres gibt. Also bind ich eine Goldkopfmontana ans Vorfach und lass sie einfach in kurzen Abständen aufs Wasser fallen. Das mache ich mit der Rute am ausgestreckten Arm. Keine Reaktion der Drei! Das ist wie "Maßkrug stemmen". Fast eine halbe Stunde lang mach ich dieses Spiel und mir fällt schon fast der Arm runter. Plötzlich kommt die Mittlere der Drei hochgeschossen nimmt die Montana und verschwindet mit ihr in der Strömung. Geschafft! Der Tanz kann los gehen. Ich hätte zwar lieber die Große gehabt aber die Mittlere war auch schön und die hab ich mir richtig verdient und das freut mich am meisten wenn man so heikle Fische hat und diese sich dann doch überzeugen lassen.

Bei so viel Erfolg muß ich Euch natürlich auch von einem Mißgeschick berichten. Zum ersten Mal in meinem Fliegenfischleben mußte ich mit dem kompletten Watzeug und Ausrüstung baden gehen. Auf dem Weg im Wasser zum Urstein kommen ein paar größere, rutschige Steine und wie oben schon erwähnt war die Strömung sehr stark. Zum Balancieren über die rutschigen Steine halt ich mich ganz gerne mal an einem Zweig fest. Leider erwischte ich einen losen Zweig und ich durfte mit den Fischen um die Wette schwimmen. Mit der Rute in der Hand trieb ich halb unter Wasser flußabwärts. Markus konnte mich einige male festhalten so dass ich nicht ganz so schnell Fahrt aufnahm und nach kurzer Zeit wieder das rettende Ufer erreichte. Tropfnass bis auf die Unterwäsche galt meine erste Kontrolle meiner selbstgebastelten Rute. "Gott sei dank, die war ganz geblieben!" Meine Kamera ist eine Unterwasserkamera und somit auch heil geblieben. Der einzige Verlust war mein altes Handy aber da ist schon lange ein Neues fällig. - Alles ist gut gegangen bis auf die nassen Klamotten. Bei Temperaturen um die 20 Grad war es im Nachhinein sogar noch eine willkommene Abkühlung. Ich mach es mir erst einmal auf einem, von der Sonne aufgeheizten, Stein bequem und schau Markus beim fischen zu. Der drillt mittlerweilen wieder Eine nach der Anderen und so hält es mich auch nicht mehr und ich fische einfach in der Unterwäsche weiter. Den Anblick mußte Markus natürlich mit der Kamera festhalten. Ein alter Herr in gerade noch jugendfreier Bekleidung beim Fliegenfischen - wo gibt's denn sowas? Da ausser dem Schreck nichts Schlimmeres passiert ist kann ich jetzt auch über mich selber lachen.

Markus fängt am Urstein noch einige schöne Bachforellen. Klar! Die haben sich wahrscheinlich halb tot gelacht und waren benommen von dem Anblick eines halbnackten, verrückten, alten Mannes mit der Fliegenrute in der Hand.

Das war wieder ein herrliches Fliegenfischabenteuer mit meinem Freund Markus und die kleine Abkühlung kann ich locker auf das Konto "Lebenserfahrung" buchen.

Danke Markus für den supertollen Tag! Schön dass es Dich gibt!